Bamberg: Nobody is perfect
Am Ende singen alle «Fuck all the perfect people», und man weiß nicht so recht, ob man da vielleicht selber gemeint ist oder doch nur das Theater, das sich bemüht, einen klassischen Text halbwegs vernünftig und verständig über die Rampe zu bringen. Einigermaßen perfekt halt und mit mitdenkenden Leuten, die in ihren Rollen noch Charaktere sehen, denen das Erzählen am Herzen liegt.
Fuck them all!
Sebastian Schug nahm sich im Bamberger ETA-Hoffmann-Theater Shakespeares «Hamlet» vor, schnurrte sich eine eigene Kurz- und Kreuz- und Quer-Fassung für zwei Stunden zusammen und zerhackte den Text in sinnfreie Fragmente; Leuchtschrift blinkt («Live Show»); Bildschirme flimmern, Mikrofone baumeln von der Decke.
Was sah er dann? Einen flippigen Aussteiger, (Paul Maximilian Pira) der zwar nicht so recht mitbekommt, was um ihn her geschieht (treibt es nun die Mutter in der Plexiglas-Box – in der auch sonst viel Unverständliches geschieht – mit dem Mörder oder nicht?), dem auch Ophelia eher Banane ist (und einen Teil seines Monologs klaut sie ihm auch noch), der mit seinen Kumpels auf dem Sofa turnt und immer dann seinen blutverschmierten Mund in die Live-Kamera reckt, wenn gerade auf der ...
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Theater heute Juli 2019
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Bernd Noack
In Fjodor Dostojewskis 1866 erschienenem Roman «Schuld und Sühne» begeht der Jurastudent Raskolnikow einen politisch motivierten Mord, dessen krude Gedankenbasis uns Kindern des 20. und 21. Jahrhunderts leider vertrauter ist, als wir das gern hätten. Intellektuell hochbegabt, aber ökonomisch unterprivilegiert, wird Raskolnikow in seiner ärmlich-abgerockten...
Wie Premierminister Viktor Orbán in einer Rede im vergangenen Sommer stolz betonte, ist das Theater eine der populärsten Kunstformen in Ungarn. Nach jüngsten Statistiken wurden in dem Land mit zehn Millionen Einwohnern fast acht Millionen Tickets verkauft; im Jahr 2010 waren es nur 4,4 Millionen. Es ist allgemeiner Konsens, dass die Einführung einer neuen Steuer...
SZENE 1 – Niels Monolog
Niels Hallo, guten Abend, mein Name ist Niels Bormann.
Ich möchte mich ganz kurz vorab entschuldigen, dass hier heute ein Stück mit Israelis, Palästinensern und Deutschen stattfindet, das wir schon vor 10 Jahren gemacht haben. Das ist nicht schön. Das tut mir wirklich leid!
Damals an der Schaubühne habe ich damit angefangen, dass ich mich für...
