Bamberg: Gib mir Vriil!
Man ist versucht, in den sogenannten Reichsbürgern eine völkische Splittergruppe der rechtsnationalistischen Radikalisierung zu sehen, deren Anhänger sich auf ideologische Brandstifer der AfD berufen. Dass die verkapselten Neonazis dann doch in einer ganz eigenen Welt der Verschwörungstheorie, esoterischen Verschwurbelung und nationalistischen Isolierung leben, erfahren wir bei Björn SC Deigner nicht nur am Rande, sondern in jeder Zeile seines neuen Stücks.
«Der Reichskanzler von Atlantis» wurde während des Heidelberger Stückemarkts in szenischer Lesung vorgestellt und kam am Bamberger ETA Hoffmann Theater zur Uraufführung.
Im Zentrum steht eine Figur, der Deigner den Namen Reichskanzler Fürst Burkhard gibt. Sie soll eine «Zusammenführung schillernder Figuren der Szene» sein. Der selbstermächtigte Fürst eines im Meer versunkenen utopischen Festlands beruft sich auf esoterisches Insiderwissen, das besagt, die Götter des Nordens seien vor einer Ewigkeit herabgestiegen und hätten auf Atlantis jene reinrassigen Arier gezeugt, die «groß und blauäugig und wissensdurstig und rein» sind. In diesem System einer sich selbst bestätigenden Legendenbildung spielen Frauen eine besondere Rolle. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2019
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Jürgen Berger
Deutschland ist eine unbeschriebene Landkarte, ein weißer Fleck zwischen Nichts und Nichts, ganz nah bei Detmold. Und auf diesem leeren Podest aus hellem Holz, das sich schräg nach hinten verlängert, lässt Dusan David Parizek den deutschen Urmythos Hermannsschlacht in der Kleistschen Version aufspielen. Das Figurentableau schrumpft dabei auf ein Kammerspiel...
Was bleibt von der flüchtigsten und der lebendigsten aller Kunstformen, dem Tanz, wenn die Bewegungen verschwunden und die Körper, die sie tanzten und formten, längst tot sind? Vereinzelte Dokumente, Briefe und Fotografien, Notizen und Kostümteile, die in Archiven leblos vor sich hin dämmern. Das Verhältnis von Tanz und Archiv beschäftigt nicht nur die...
Eine Sache nicht zu beherrschen ist der Anfang der Kunst. Und nicht nur der Anfang, sondern auch das Ende und Ziel, so sieht es jedenfalls das Nature Theater of Oklahoma, das die Sache des Theaters so gut es nur geht nicht beherrscht. Das Duo (und Paar) Kelly Copper und Pavol Liska ist seit rund fünfzehn Jahren unter dem Kafkas «Der Verschollene» entlehnten Namen...
