Auslaufende Detonationswellen
Traute Held hat Brustkrebs. Täglich muss sie zur Bestrahlung. Ihre jüngste Tochter hat ihr die Haare abrasiert und bewahrt sie in ihrem Kissen auf, damit sie von der Mutter träumt. Traute verlässt ihre Töchter und ihren Mann Erwin, erstmal, obwohl sie ihn liebt.
Erwin hat ein schlechtes Gewissen, weil er nicht da war, als Traute von ihrer Krankheit erfuhr. Auch eine Affäre hatte er. Erwin versucht alles, um Traute zu halten: Versprechungen, Vorwürfe und vernünftige Gründe.
Traute erträgt es nicht länger, leise im Badezimmer zu kotzen, während der Rest der Familie am Abendbrottisch sitzt. Andere brauchen in dieser Situation ihre Familie, Traute braucht Abstand. Die Zeit wird zu knapp für Alltag.
Mit den Töchtern verabredet sie sich an den Nachmittagen, und Erwin lädt sie von Zeit zu Zeit in ihr Hotelzimmer ein. Rendezvous mit dem eigenen Mann in der eigenen Stadt, das wollte sie schon immer. Und Traute ist auch gerne «Valerie», die großbusige, unversehrte Rothaarige, die für gutes Geld am Telefon Männer tröstet. Davon weiß Erwin noch nichts.
Erwin erträgt weder das tägliche Leben ohne seine Frau, die er noch immer begehrt, noch die Stimme seiner Mutter im Haus, aber er gibt ...
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Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 154
von Dietmar Böck
Eine verschneite Landschaft, eine abgelegene Straße, zwei Männer im Gebüsch versteckt. Sie stehen sich gegenüber, nur durch die Straße voneinander entfernt, sie können sich nicht sehen, aber sie sprechen miteinander. Sie erzählen von Familienausflügen, von Betriebsfeiern, von diversen Liebschaften. Sie äußern sich heiter, bisweilen geradezu aufschneiderisch...
Zum dritten Mal schon wird Katrin Brack Bühnenbildnerin des Jahres.
Ihr Ein-Material-Konzept hat bereits etliche stückspezifische Metamorphosen durchlaufen: Zuletzt hat Brack Molière mit Luftschlangen beschossen und Kleist in den Regen gestellt. Luk Perceval, Dimiter Gotscheff und Samuel Finzi loben und preisen die Künstlerin im Gespräch.
Während die Bühnenbilder...
... waren unsere 40 Kritiker in dieser Spielzeit ganz sicher: Eine satte 18-köpfige Mehrheit kürte Ulrich Khuons Hamburger Thalia Theater zum Theater des Jahres. Vor dem Berliner Maxim Gorki Theater mit 4 Voten liegt auf Platz 2 mit ehrenvollen 6 Stimmen das Deutsche Theater in Berlin, das sich außerdem freuen kann, die Inszenierung des Jahres gewagt zu haben,...
