Auf den Standpunkt kommt es an
Natürlich sind wir Kulturkonsumenten politisch wahnsinnig gebildete Zeitgenossen. Sobald es allerdings um etwas mehr als die (griechische) Staatspleite oder Guido Westerwelles Vorstellungen von «spätrömischer Dekadenz» geht, können sich durchaus Wissenslücken auftun. Wieso bissen sich zum Beispiel Nikita Chruschtschow und Walter Ulbricht bei ihrem Treffen am 1.
August 1961 im Kreml – dreizehn Tage vor dem Bau der Berliner Mauer – an einem Misserfolg in der ostdeutschen Kartoffelernte fest? Welche Rückschlüsse zogen Ärztinnen im Kosovokrieg aus den Wundrändern tödlich Verletzter? Und mit welchen Winkelzügen versuchten Systemträger des südafrikanischen Apartheid-Regimes, vor der Wahrheits- und Versöhnungskommission ihre Schuld zu relativieren?
Solche Lücken schließt der 48-jährige Dokumentartheatermacher Hans-Werner Kroesinger auf einem Niveau, das Theatergängern vergleichsweise tiefe Denkfurchen in die Stirn prägt. 2.000 Lektüre-Seiten, sagt er, könnten bei der Vorbereitung auf ein neues Projekt schon zusammenkommen. Die fünf Zeitungen, die Kroesinger jeden Morgen durchblättert, sind da wahrscheinlich noch gar nicht eingeschlossen. Und egal, wie stark der Regisseur die ...
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«Drei Chinesen mit dem Kontrabass» ertönt es fröhlich von der Werkstattbühne des Theaters Ingolstadt. Zwei Frauen und drei Männer in Trainingshosen und kleinen Kochmützchen sitzen beinebaumelnd am Rand einer engen Vertiefung, wärmen sich für ihren Auftritt auf. Über ihnen, an großen Haken, hängen Küchenutensilien und Zutaten. Die restliche Bühne ist mit Matratzen...
Franz Wille Die «Neuen Stücke aus Europa» finden im Juni zum zehnten Mal statt, zum zweiten Mal mit dem Staatstheater Mainz, die erste Ausgabe dieser Biennale erschien 1992. Seitdem hat sich einiges verändert, sowohl der Stellenwert zeitgenössischer Dramatik als auch die politische Situation in Europa.
Manfred Beilharz 1992 war schon eine Entwicklung in Gang, die...
Avignon
50. Festival d’Avignon
vom 7. bis 27. Juli
Bureau de Festival, B.P. 492
F-84072 Avignon Cedex 04
Tel.: 00 33/490/14 14 26
www.festival-avignon.com
Christoph Marthaler/Anna Viebrock Papperlapapp (7.-9., 11.-13., 15.-17.)
Falk Richter/Stanislas Nordey My Secret Garden (9.-11., 13.-17.)
Gisele Vienne This is how you will disappear (8.-10.,...
