Athens beste Jahre
Zehn Jahre zuhause herumsitzen und auf den Mann warten, ist kein Vergnügen. Vor allem, wenn der gerade damit beschäftigt ist, fremde Städte zu plündern, und mit kriegsgefangenen Fürstentöchtern herummacht. Obendrein auf dem Weg dorthin die eigene Tochter aufgeschlitzt hat, damit der Fahrtwind wieder an Schwung gewinnt. Constanze Beckers Klytaimnestra hockt angemessen verbittert und frustriert in ansprechender Unterwäsche vor der Wand und mümmelt an einem Brötchen. Die Zigarette im Mund, eine Bierbüchse neben sich, brütet sie gefährlich übellaunig vor sich hin.
Hätte sie sich nicht gerade zum Bericht von Iphigeniens Opferung einen Kanister Theaterblut malerisch über die Haare gegossen, niemand würde sie in einer griechischen Tragödie vermuten. Eher in einem Stück tristen Sozialrealismus, Kitchen sink abwärts.
Steins Schatten
Die «Orestie» des Aischylos hat in den letzten Jahren wieder verstärkt Spielplan-Konjunktur. Nach Peter Steins einschüchternder Berliner Inszenierung von 1980 war sie fast zwei Jahrzehnte kein Thema. Der achtstündige Schaubühnen-Theatermarathon schien kaum zu überbieten, und auch deutungstechnisch blieben lange Zeit keine Fragen offen: Das große Spiel von ...
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Es geht los mit einer Diashow (Kinderurlaubsbilder an der Ostsee) über einem Plateau von etlichen Tischen mit Tischdecken von vor dreißig Jahren, entsprechende Musik dazu. Doch der Retro-Dreh (Ausstattung Tom Musch) hat seinen Haken. Nie weiß man in dieser Inszenierung, wo sie zeitlich verortet ist und wessen Erinnerungsimagination hier auf dem Spiel steht. «Hafen...
Castorf forever
Der Vertrag von Frank Castorf als Intendant der Berliner Volksbühne wird bis 2010 verlängert. Die Entscheidung des Berliner Noch-Kultursenators Thomas Flierl sei bereits 2005 getroffen worden, hieß es. Offenbar hatte man bisher keine Zeit für die anstrengende Unterschriften-Zeremonie im Sternfoyer des Hauses, so dass man bis zur vorletzten...
Die Perücken sind billig und die Outfits schrill. Wichtigstes Bühnenrequistit ist ein gammeliger Dönerspieß aus Pappmaché. Ansonsten wird vorzugsweise vor einer scheußlichen Fototapete gespielt – eine Kulisse, die selbst Schlingensief-Bühnen wie Nachbauten aus dem Schöner-Wohnen-Katalog aussehen lässt. Auch die knalligen Spieler der aus dem prallen Kiezleben...
