Arbeitsauftrag «Endlösung»
Kaum zu glauben, dass Antonio Latella die 700 Seiten mit drei Schauspielern, einem Sänger, einer leeren Bühne, ein paar Hockern und einem Scheinwerfer bewältigt. Tatsächlich gelingt ihm ein außergewöhnlich dichtes, mitunter verstörendes, Dostojewski-graues Kammerspiel um Verbrechen und Strafe. Dabei interessieren Latella die (längst ausgestandenen) Aufregungen über das Buch und die heiklen historischen und fiktiven Überschneidungen lediglich am Rande.
Er ist radikal und mit kargen Bildern der monströsen Banalität, der Geburt des Bösen auf der Spur, wenn er den schwulen SS-Offizier Maximilian Aue als einen in jämmerlicher Einsamkeit durchdrehenden Zyniker zeigt.
Dem ist die Vernichtung der Juden ein lästiger Arbeitsauftrag und gleichzeitig doch auch ein nützlicher Karrierebaustein. Im Schnapsnebel und mit großspuriger Herrenmenschen-Attitüde setzt er sich über die moralischen Skrupel hinweg und zerbricht am Ende an der Erkenntnis, dass er das Gute und Feine vielleicht einmal für sich erträumt haben mag, aber doch immer nur das Schreckliche und Obszöne – auch für sich – realisiert hat. Seine Flucht vor der Verantwortung endet im Wahn, und alle mühsam gezimmerten Erklärungen, die ...
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Theater heute Februar 2014
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Bernd Noack
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