Anarchie und Selbstdistanz
«Ich bin’s», hört man Anita Vulesicas Stimme zunächst aus dem Dunkel, «die mit den zwei Stimmlagen.» Klingt gut – stimmt aber nicht. Tatsächlich sind es mindestens zweihundert Facetten, in denen die Schauspielerin hier mit ureigenem Witz ihre Lebensbetrachtungen in die Karrierestationen des Popstars Madonna hinein verschachtelt. Der Soloabend «Mother», den Vulesica selbst geschrieben, inszeniert und in der Box des Deutschen Theaters Berlin herausgebracht hat, ist Rockkonzert, Tragödie und Stand-up-Comedy auf einmal – und erzählt sehr viel über seine Schöpferin.
Immer wieder geht es um das Bedürfnis, «gesehen» zu werden – was nicht nur Vulesicas Lebensthema, sondern bekanntlich auch eine nicht ganz ungefährliche Angelegenheit im Schauspielbusiness überhaupt ist. Denn die existenzielle Hoffnung, dass der Regisseur – und das Publikum – einen im Wesenskern erkennen, ähnele dem kindlichen Bedürfnis, von den Eltern gesehen zu werden, erklärt Vulesica: «Das verwechseln viele, deswegen ist es auch so schmerzhaft. Vor allem, wenn man nicht gesehen wird.» Zu den bemerkenswertesten Fällen regieseitiger Fehlsichtigkeit in Anita Vulesicas Schauspielerinnen-Biografie gehört zum Beispiel der ...
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Theater heute Dezember 2019
Rubrik: Akteure, Seite 31
von Christine Wahl
Deutschland ist eine unbeschriebene Landkarte, ein weißer Fleck zwischen Nichts und Nichts, ganz nah bei Detmold. Und auf diesem leeren Podest aus hellem Holz, das sich schräg nach hinten verlängert, lässt Dusan David Parizek den deutschen Urmythos Hermannsschlacht in der Kleistschen Version aufspielen. Das Figurentableau schrumpft dabei auf ein Kammerspiel...
Aachen, Theater
8. nach Baum, Der Zauberer von Oz
R. Ute M. Engelhardt
Aalen, Theater der Stadt
7. Schmitt, Kleine Eheverbrechen
R. Tina Brüggemann
Altenburg Gera, THeater
1. nach den Gebrüdern Grimm, Schneewittchen und die sieben Zwerge
R. Manuel Kressin
Annaberg, Eduard-von-Winterstein-Theater
1. Alfieri, Sechs Tanzstunden in sechs Wochen
R. Karl Georg Kayser
Au...
Ein dicker, eiserner Haken in einer uralten Holzwand. Eine Handbreit daneben, gerahmt, ein altersfleckiger Stich: Trotzkopf Napoleon mit verschränkten Armen. Oder: Blick in einen alten Kleiderschrank, Biedermeier vermutlich, sorgsam ausgekleidet mit schwarz-weißem Schrankpapier. An den Innenseiten der Türen hängen, farblich sortiert, prächtige Seiden-Kravatten, auf...
