An der Quelle

Roland Schimmelpfennig «Idomeneus»

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Die Quellenlage ist beim Mythos immer ein Problem.

Zum Beispiel im Fall des Kreter­königs Idomeneus: Wie war es denn nun, kurz nach dem Fall Trojas in stürmischer Nacht nicht weit der Heimat, als von den 80 Schiffen des Königs 79 ins Seemannsgrab fuhren und Idomeneus selbst dem Wellen- und Donnergott Poseidon das Versprechen gegeben haben soll, als Preis für seine Rettung das erste beste Lebewesen, dem er an Land begegne, zu opfern?

War es tatsächlich sein eigener Sohn Idamantes, und hat er ihm auch wirklich wie versprochen mit dem Messer die Kehle durchgeschnitten? Oder war Poseidon gnädig zum Happy End bereit? Oder hat Meda ihren zehn Jahre verreisten Gatten mit Nauplios betrogen, der mit Idomeneus noch eine andere Rechnung offen hatte wegen seines gemordeten Sohnes Palamedes? Oder doch nicht? Und wie geht die Geschichte mit Idamantes weiter, wenn er nicht gestorben ist? Verliebt er sich wirklich in Elektra, die ihre Mutter Klytämestra ermordet hat, weil die ihren Mann Agamemnon erschlug, weil der ihre Tochter Iphigenie geopfert hatte? Und sind Idamantes und Elektra am Ende vielleicht mit der roten Rosie durch die Ägäis geschippert, einem rosaroten Honeymoon entgegen?

Roland ...

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Theater heute Juni 2009
Rubrik: Chronik, Seite 47
von Franz Wille

Vergriffen
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