Aktion Mensch
Wenn Angela Merkel heutzutage Königin Isabella die Katholische ist und Barack Obama König Ferdinand», überlegt der Autor und Regisseur Rodrigo Garcia im Programmbuch des polnischen Theaterfestivals Malta, «dann sind unsere Kuratoren und Experten auf dem Gebiet der Kunst eine spezialisierte Armee im Dienst der Monarchen des Marktes auf der Mission, künstlerische Raritäten in fernen Ländern aufzuspüren und diese ‹Wunder› auf dem alten Kontinent bekannt zu machen.
Europa kann seine kläglichen und bevormundenden Eingriffe nicht lassen: Es denkt, es kann lateinamerikanische Künstler wie exotische Früchte, Edelsteine oder außergewöhnliche Vögel entdecken.»
Mit seinem Statement zum Schwerpunkt «Lateinamerika: Mestizen» vermittelt der 1964 in Buenos Aires geborene und seit 1986 in Madrid lebende Rodrigo Garcia recht eindrücklich, dass er die Rolle des diesjährigen Festival-Kurators nicht ohne (persönliche) Ambivalenzen übernommen hat. Auf eine knappe Textseite konzentrieren sich sein tiefes Unbehagen, aber auch die Paradoxien, die das Rezeptions-Dilemma des voyeuristischen Festivalblicks auf «das Fremde» zeitigt. In kritischer Absicht und polemischer Zuspitzung übersetzt Garcia die ...
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Theater heute Oktober 2014
Rubrik: Festivals/Aufführungen, Seite 17
von Anja Quickert
Die letzten Tage der Menschheit sind jetzt auch schon wieder hundert Jahre her. Aus gegebenem Anlass war das Schauspielprogramm der Salzburger Festspiele 2014 monothematisch dem Ersten Weltkrieg gewidmet, und da führte an Karl Kraus’ großem Wiener Weltkriegstheater «Die letzten Tage der Menschheit» (1922) kein Weg vorbei.
Die im Landestheater als Koproduktion mit...
Als ich den damals noch recht jungen Gert Voss zum ersten Mal ganz bewusst auf der Bühne wahrnahm, war er sehr alt. Ich hatte ihn schon vorher gesehen – so in Claus Peymanns und Achim Freyers Stuttgarter «Faust» von 1977; aber da war er mir nicht wirklich aufgefallen in der Menge der turbulenten Aktionen und Akteure. Am 7. Mai 1982 aber, als «Der Kirschgarten» in...
Das Leben ist ein Hamsterrad. Und wer nicht in Tritt und Übung bleibt, den haut es aus der Kurve. Das weiß Jonathan Jeremiah Peachum, Bettlerkönig von London, der im Stuttgarter Schauspiel in einem überdimensionalen Hamsterrad seine Runden dreht. Schließlich ist der Mann ein arrivierter Businessman, der als Geschäftsmodell den Pöbel der Hauptstadt dirigiert. Und...
