Kunst – der bessere Kapitalist?
Der absolute Nullpunkt der Modernen Kunst wurde erreicht im Theater. «Sieg über die Sonne» hieß treffend das Stück, in dem 1913 zum ersten Mal das Schwarze Quadrat von Kasimir Malewitsch zu sehen war – auf dem Bühnenvorhang und als Symbol auf Kostümen und Requisiten stand es für die Passage in eine neue Zeit. Doch trotz dieser innigen Verknüpfung während des Urknalls einer neuen Kulturepoche haben Darstellende und Bildende Kunst seither ein gestörtes Verhältnis. Denn unsterblich wurde das Schwarze Quadrat allein als Gemälde.
Von dem suprematistischen Totaltheaterstück sind dagegen nur Beschreibungen, Musikfragmente und Malewitschs Entwürfe übrig geblieben. Und an diesem Bedeutungsverhältnis zwischen Theater und Kunst scheint sich in knapp 100 Jahren kaum etwas geändert zu haben: Im öffentlichen Bewusstsein bleibt es eine unfaire Konkurrenz wie die zwischen Traum und Tatsache.
Vielleicht ist es gemein, in diesem Zusammenhang von einem Minderwertigkeitskomplex der Bühnenkünstler zu sprechen, aber wer ist Claus Peymann gegenüber Damien Hirst? Was das Theatertreffen gegen die documenta? Der Buchmarkt liefert zum Stichwort Theater rund 200.000 Bücher, zum Thema Kunst aber das Zehnfache. ...
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Theater heute August/September 2011
Rubrik: Theater und Bildende Kunst, Seite 6
von Till Briegleb
Als wir im Sommer 1968 in unserem vollbepackten Citroën ID 19 über die Autobahn von Frankfurt nach Heidelberg fuhren, war ein stiller Jubel in Elisabeth und mir. «Jetzt fahren wir endlich zu uns», sagte Elisabeth lächelnd. Das Kind lag schlafend auf dem Rücksitz des Wagens, den wir für vierhundert Mark erstanden hatten, weswegen es auch eine seiner letzten Fahrten...
Es ist schon zum Kotzen, viel zu jung zu sterben. Schlimm ist, dass man überhaupt stirbt, aber das Allerschlimmste ist, zu früh zu sterben, sagte man schon zu den Zeiten Homers. Es gibt aber auch fast schon genauso lange die erschreckende Gegenthese, die Nietzsche dem Begleiter des Dionysos, dem weisen Silen, in den Mund gelegt hat: «Das Beste ist für dich...
Die Nasszelle als Ursprungsort epochaler Ereignisse rückt zusehends in den Fokus. «Karrieren werden beim Pinkeln gemacht», erklärte Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger kürzlich auf «Spiegel online». Auch Friederike Heller versammelt die Jungs um Revolutionsführer Jean Paul Marat aus Peter Weiss’ «Marat/ Sade» in einer klinischen Edelbadeanstalt (Bühne: Sabine...
