Das Prinzip für die ganze Gesellschaft
Wenn man sich eines Tages fragen wird, wann genau um die Wende zum 21. Jahrhundert die systematische Suche nach einer Neubestimmung des Stadttheaters in Deutschland begonnen hat, wird man neben vielen anregenden Impulsen vor allem zwei sehr unterschiedliche Initiale nennen müssen: Das «Bunnyhill»-Projekt der Münchner Kammerspiele und die Auflage des Heimspiel-Fonds der Bundeskulturstiftung.
In der Folge dieser Initiativen haben für eine zunehmende Zahl von Stadttheatern folgende Fragen an Bedeutung gewonnen: Wie entwickelt sich das Verhältnis von Stadt und Theater? Wie kann das Stadttheater auf die sich abzeichnenden sozialen, demografischen und politischen Veränderungen reagieren? Wie kann es sein Stammpublikum für die künstlerisch innovative Beschäftigung mit den Folgen dieser Veränderungen interessieren und zugleich neue Zuschauer/Teilnehmer gewinnen? Wie kann es seinen Auftrag als «das» Theater der Stadt in einer sich rasant verändernden Medien-Welt neu definieren? Welchen Anteil haben kulturelle Bildung, Identitätsstiftung, Kritik, Kontakt mit dem kulturellen Erbe und Selbstreflexion einer demokratischen Bürgergesellschaft an einem Stadttheater der Zukunft?
Als um die Wende ...
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Theater heute August / September 2010
Rubrik: Debatte, Seite 38
von Barbara Mundel, Josef Mackert
Sie gleiten wie schlafwandelnde Eisläufer über die Bühne und passieren Spiegel, in denen sie wie flüchtige Erscheinungen auftauchen. Gelegentlich wandeln sie auch wie Pärchen, dann allerdings verschwindet plötzlich einer von ihnen hinter einem der Spiegel und wird scheinbar verschluckt. Da hat man den Eindruck, Mannheims Schauspielchef Burkhard C. Kosminski habe...
Man konnte wirklich leicht auf den Bluff reinfallen, so routiniert herzlich klang im Vorwort zu ihrem Stück «Der große Blöff/Entfernte Kusinen» der Danksagungston Felicia Zellers an ihre «Kusine Deborah Schnabel, die mir im Sommer 2006 die Aufzeichnungen zum Großen Blöff so freimütig überlassen hat»: auf «dreizehn beidseitig beschrifteten Zetteln» ein Dramenentwurf...
Über die Grenzen der Stadt hinaus wurde das Wiener Schauspielhaus in den letzten drei Spielzeiten vor allem dank der Stücke von Ewald Palmetshofer wahrgenommen, die hier uraufgeführt wurden. Die beim Wiener Publikum beliebtesten Produktionen von Andreas Becks Intendanz aber waren bisher die Theaterserien. 2008, in Becks erster Spielzeit, wurde Heimito von Doderers...
