Klinische Lesarten

Die Entfaltung der Welt aus dem Blick einer Figur: Katie Mitchell verfilmt an der Berliner Schaubühne Charlotte Perkins Gilmans «Die gelbe Tapete»; Stephan Kimmig erzählt am Deutschen Theater Eugen Ruges «In Zeiten des abnehmenden Lichts» nach

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Das hat schon was: Wie sich der Kameramann mit einer weichen Pirouette vom Bett wegdreht und mit ein paar fliegenden Schritten in den Nebenraum eilt, um dort gerade rechtzeitig – Schnitt – die Heldin ins nächste präzis ausgeleuchtete Close-up zu setzen.

Diese Tänzchen der Technik gehören auch zum Genuss eines Katie-Mitchell-Abends; diese kleinen, unwillkürlichen Choreografien im Live-Film-Set, geboren aus schnurrender Perfektion, die könnte man immer wieder anschauen und wird es wieder können: demnächst beim Berliner Theatertreffen mit Mitchells Kölner Live-Verfertigung von Friederike Mayröckers «Reise durch die Nacht» (TH 1/2013).

Für ihre zweite Arbeit an der Berliner Schaubühne hat die britische Regisseurin ein gewohnt imposantes Studio aufgebaut: links hinter Glas die Sounddesignerin mit diversen Raschelflächen, Wassertöpfen und anderen Klangutensilien; zentral zwei Zimmer eines Sommerferienhauses als Bühne für Kamerateam und Darsteller. Und rechterhand in einer Sprecherkabine: Ursina Lardi. Sie alle steuern ihre jeweiligen Ton- und Bildpartikel zum Filmereignis bei, das sich auf einer mächtigen Kinoleinwand über dem Set zusammenfügt.

Zarter Sepiaglanz

Unten also Gewimmel wie im ...

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Theater heute April 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 13
von Christian Rakow

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