Fallstricke mit Leerstellen

In Bremen untersucht Monika Gintersdorfer mit Zolas «Nana» die Zusammenhänge zwischen Sex, Kunst und Geld, während Nurkan Erpulat Fatih Akins Rachethriller «Aus dem Nichts» politisch weiterdenkt

Theater heute - Logo

«Bara» heißt im ivorischen Französisch einerseits «Arbeit», andererseits «Sex». Zumindest erklärt Franck Edmond Yao diese Doppelbedeutung in «Nana ou est-ce que tu connais le bara?», der Koproduktion von Monika Gintersdorfers europäisch-afrikanischer Performance-Gruppe La Fleur mit der Pariser Bühne MC93 (Maison de la Culture de Seine-Saint-Denis) und dem Theater Bremen.

Jedenfalls passt die Doppelbedeutung perfekt auf die Titelheldin aus Émile Zolas Roman «Nana», eine ehemalige Straßendirne, die sich erst zur Kurtisane und dann zum zwar unbegabten, aber schillernden Operettenstar entwickelt: «Nana hat das Prinzip ‹Bara› gut begriffen», so Yao. Sex, Arbeit, alles das Gleiche.

«Nana oder Kennst du die Arbeit?» beziehungsweise «den Sex» erzählt Zolas 1880 erschienenen Roman weitgehend vorlagengetreu nach, selbst die Kapitelstruktur bleibt erhalten. Allerdings mit Brechungen: durch die mehrheitlich frankophonen Performer, die von den Bremer Ensemblemitgliedern Matthieu Svetchine und Justus Ritter sowie der Frankfurter Schauspielerin Friederike Becht übersetzt werden. Und durch die Kommentare, mit denen insbesondere Svetchine seine Übersetzungen auflädt. Becht tanzt und spielt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 27
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Freie Szene: Als ob alles gut gehen würde

Putzt euch die Zähne – und hofft, dass ihr den Tag überlebt!», mit diese Appell entlässt Nikita Dhawan die rund 150 Teilnehmenden des zweiten Flausen-Bundeskongresses «The Politics of Art» in den Tag. Das hat man davon, wenn man die renommierte Professorin für Politische Theorie und Gender Studies nach der Rolle von Kunst und Moral in politisch desolaten Zeiten...

Zürich: Zersägt und gehäckselt

Die wenigsten Fernsehzuschauer könn­ten von sich sagen, sie seien Sonntagabend noch nie an einer «Tatort»-Folge hängen geblieben. Die wenigsten Schauspieler würden eine «Tatort»-Rolle ausschlagen. Muss ja nicht jeder den Kommissar spielen. Selbst als Leiche wird mancher berühmt. Oder wenigstens von «Bild» interviewt. 

«Tatort» ist Volksgut. So gesehen wa­ren...

Menschlein en marche

Rasche-Bühnen sind pompöse Maschinenmonster – und Muster an Effizienz zugleich. Hier am Münchner Residenztheater, wo der minutiöse Monumentalmechaniker nun zum zweiten Mal inszeniert und technisch aus dem Vollen schöpfen kann, wird das besonders deutlich. Marschierten «Die Räuber» 2016 noch auf riesigen schwenkbaren Laufbändern unverwandt auf den Abgrund zu, so hat...