Stadt und Land
Gegen die Idee gibt es gar nichts einzuwenden: die amerikanischen Großstadtneurotiker aus Woody Allens Film «Husbands and Wives» mit Tschechows russischen Landneurotikern aus der «Möwe» zu vermengen. Zweimal in Lethargie und erotischen Projektionen auf blutjunge Mädchen dahinsiechendes Bildungsbürgertum, larmoyante Dekadenz des Geistes und der Glieder, lange Reden, ins Endlose hinaus verzögerte Entschlüsse und in lebenslanger Sehnsucht verhallende Küsse. Das Leben als große Oper der unerfüllten Wünsche.
All das schimmert immer wieder durch in Milan Peschels «Manhattan Möwe». Natürlich bleibt dabei Tschechow, der von Woody Allen als großes Vorbild apostrophiert wird, der Größere, der Poetischere, der Klügere, der Radikalere.
Man hat danach Lust, die «Möwe», dieses wieder- und wiedergekäute Stück der Theatergeschichte, ganz für sich allein zu sehen: die Hollywoodneurosen einer abgetakelten Bühnendiva, ihres schreibenden Dramatikersohnes Kostja und der werdenden Jungschauspielerin Nina. Dieses Stück, gegen das sich der smarte Woody Allen ausnimmt wie ein belangloses Geplauder am Küchentisch.
Und so beginnt «Manhattan Möwe» auch. In der Wohnküche einer engen Bohème-Wohnung in ...
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Theater heute Oktober 2011
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Simone Meier
«Unsere Generation glaubt einfach nicht mehr, dass wir alle so verschieden sind, weil wir verschiedene Religionen, verschiedene Werte, verschiedene Kulturen und Nationalitäten haben. Wir wissen, dass wir alle dasselbe wollen (…) und dieselbe Sprache sprechen: Facebook!», verkündet die Deutsch-Iranerin Maryam Zaree am Ende von «The Day Before the Last Day». Na...
Sonntag, 2.
10.00, arte: Der Hässliche – von Marius von Mayenburg, mit Frédéric Cherboeuf, Delphine Cogniard u.a., Regie Denis Caiozzi. Aufzeichnung aus dem Théâtre de Grenoble (2011)
Montag, 3.
13.05, arte: Max Frisch, Citoyen – französischer Dokumentarfilm (2008) von Matthias von Gunten
16.15, arte: Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben – Fernsehfilm (2009) von Michael...
Wer in den ersten Augusttagen in London war, wird mit ziemlicher Sicherheit einige aufgeregte SMS aus dem In- und Ausland bekommen haben: «Are you ok? Are you caught up in the riots?» The riots, the riots, die Millionenstadt in Panik, außer Kontrolle, in einer surrealen Szenenmischung aus Sommerschlussverkauf, Bürgerkrieg und Clockwork Orange. Premier David Cameron...
