Klapperstorch kommt nicht mehr
Der Nihilismus ist auch nicht mehr das, was er mal war. «O glaub mir, es gibt keine Liebe! Alles Eigennutz, alles Egoismus», knallte der Schulprimus der Herzen, Melchior Gabor, seiner Geliebten Wendla beim Heuboden-Rendezvous bis dato immer frühreif an den hübschen Kopf. Heutzutage ist man da pragmatischer. «Du siehst so beschissen gut aus», konstatiert der Jungphilosoph anno 2007 und kokettiert lediglich ein bisschen mit der Selbstkritik, bevor er im Arm der Dunkelhaarigen gen Hinterbühne entschwindet: «Weißt du, so richtig tief geht bei mir, glaube ich, gar nichts.
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Der Autor und Regisseur Nuran David Calis – Jahrgang 1976 und dank solider Berufserfahrungen im Musikvideodreh sicher auch professionell näher an der Zielgruppe als viele seiner Kollegen – hat Frank Wedekinds Kindertragödie «Frühlings Erwachen» am Schauspiel Hannover mit einem Ausrufezeichen versehen und auf ihre Gegenwartstauglichkeit abgeklopft. Dass dabei – hundert Jahre nach der Berliner Uraufführung im November 1906 – ein hochmodernes und trotzdem absolut Wedekind-nahes Jugendstück herausgekommen ist, war, mit Verlaub, nicht unbedingt zu erwarten. Das bildungsbürgerliche Gymnasiasten-Parlando, das die ...
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Britischer Humor ist einer der besten Exportartikel Englands. Die Comedy-Kultur blüht seit Jahrzehnten, und ein guter Stand-Up-Comedian hat in England Rock-Star-Status und ebensolche Einnahmen – manch einer füllte schon das Wembley-Stadion. Womit man eigentlich zufrieden sein könnte. Kurios also der Trend, dass nicht wenige Stand-Ups das Bedürfnis verspüren, sich...
Zu Hitler fällt mir nichts ein. Über das böse Wort von Karl Kraus gossen manche Moralisten ihre Häme aus, weil der Sprachpurist die richtige Setzung eines Kommas wortreich habe analysieren können, aber vor dem größten Thema seiner Zeit verstummt sei. Sie bekundeten damit nicht nur Unverständnis gegenüber der Ironie, sondern auch Ignoranz: Kraus erklärte 1934 in der...
Das gängigste Vorurteil über französische Filme lautet: Dort wird immer so viel geredet. Diese Einschätzung hält der filmhistorischen Gesamtbetrachtung nicht unbedingt stand, aber wer die Filme von Eric Rohmer, Jacques Doillon oder Jacques Rivette als «typisch französisch» empfindet, muss zugestehen, dass es bei aller Unterschiedlichkeit der Regisseure doch diesen...
