Groß und klein
Scharlatan oder Genie? Semantischer Faulpelz oder Meister des Nicht-Gesagten? Am norwegischen Mode-Autor Jon Fosse und seinen wortkargen Dramen scheiden sich die Kritiker. Für Regisseure aber bieten diese Leerstücke dank reduziertem Personal, limitierter Psychologie und beschränkter Alltagssprache viele Sinn-Löcher, in die sie ihre eigenen Ideen stopfen können. Albrecht Hirche gelingt es am Theater Aachen, viele Leerstellen offen zu lassen, ohne Leerlauf zu erzeugen. Fosses Paar-Versuch «Winter» testet er im Theater-Labor mit verschiedenen Formensprachen.
Spielerisch, selbstreflexiv – und komisch.
Die Frau und der Mann, namenlos, ohne Vorher und Woher, nur ausstaffiert mit ein paar abgebrochenen Sätzen ohne Punkt und Komma, nähern sich an, stoßen sich ab, vier Szenen lang, wollen ein «bisschen reden», auf der Parkbank und im Doppelbett. Beides aber gibt es bei Hirche nicht. Vorne erstreckt sich ein Matratzenspielplatz, hinter Kakteen und Gaze-Vorhängen eine leere Spielfläche im Kiesbett. Dort im Dustern treffen sich die Frau (Anne Wuchold) im rosa Mini-Anorak und der Mann (Karsten Meyer) im viel zu großen schwarzen Mantel das erste Mal. Ihr Gespräch rauscht als Hörspiel vom Band, ...
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Wir Bildungsbürger und Abonnenten, Shakespearefreunde und Humanisten, wir Theaterkritiker und von engagierten Lehrern herangeschleiften Gymnasiasten – wir sind das Volk. Damit wir das nicht vergessen und auch nicht, dass die Tragödien des britischen Renaissance-Dramatikers William Shakespeare mit uns, dem Volk, zu tun haben, werden wir als solches angesprochen und...
Im Grunde schreibt Elfriede Jelinek schon lange keine Stücke mehr. Sie stellt Textblöcke zur Verfügung, aus denen bei entsprechender Behandlung Theater werden kann. Sie sind dabei nicht zimperlich, diese Texte, im Gegenteil, sie wollen hart rangenommen werden. Dafür sind sie aber auch zu allem bereit und gänzlich uneitel, wenn es darum geht, sich offensiv benutzen...
Zum ersten Mal wurde eine Handke-Inszenierung von Friederike Heller vor zwei Jahren nicht zum Theatertreffen eingeladen. Damals hatte die junge Regisseurin den grantigen «Untertagblues» frech und sehr überzeugend als zeitgenössische Publikumsbeschimpfung inszeniert. Am selben Ort (Akademietheater) und mit demselben Hauptdarsteller (Philipp Hochmair) bewies Heller...
