Brückenschlag
Symbolischer kann ein Ort nicht sein: Die Trennung von Okzident und Orient und der Versuch, sie zu überwinden, materialisiert sich kaum irgendwo einleuchtender als in der Galata-Brücke, die sich in Istanbul über das Goldene Horn spannt und das alte Istanbul mit den neuen, europäischen Stadtteilen Galata und Beyoglu verbindet. Die Brücke, die dort seit 1912 stand und 1994 durch eine hochmoderne Klappbrücke ersetzt wurde, war Anlegestelle, Umschlagplatz, Flaniermeile, Wahrzeichen.
Um diese Brücke geht es im Stück des 42-jährigen Franzosen Gilles Granouillet, der 2000 drei Monate als Stipendiat in Istanbul verbrachte.
Die alte Brücke hat ausgedient, und zwei Konsortien, ein französisches, ein deutsches, konkurrieren um den Erwerb der legendären Antiquität. Die Deutschen wollen sie nach Hamburg bringen und ein Restaurant aus ihr machen, die Franzosen planen eine Zerstückelung im Geist der Berliner Mauer mit anschließendem Souvenirhandel. Das türkische Parlament tendiert zum deutschen Angebot, da hat Tilbe Ecer, die viersprachige, polyglotte türkische Partnerin des französischen Global Players Dux, eine ebenfalls historisch inspirierte Idee: Sie überredet einen Not leidenden Fischer, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Warum ist Sarah Kanes Werk auf dem Kontinent so populär?», wunderte sich kürzlich der Theaterkritiker Michael Billington im britischen «Guardian». Frisch zurückgekehrt von einem Sarah-Kane-Symposium an «Berlins leading theatre, the Schaubühne», berichtete der erstaunte Engländer von einem wahren Feuerwerk der Wertschätzung, das der Autorin am Lehniner Platz zuteil...
Ende Mai 1969 erhielt der Westdeutsche Rundfunk in Köln mehrere hundert empörte Anrufe und Briefe von Hörern, denen Stimmen aus dem Radio seltsame Dinge befohlen hatten. «Lecken Sie beim Hören die Schaltknöpfe ihres Radios!» hatte der Ansager sie aufgefordert, «Pressen Sie ihren nackten Bauch gegen Ihre Fernsehmattscheibe!», «Stechen Sie sich mit einer Nadel...
Alte Wunden eitern länger. Vor allem, wenn sie aus der Kindheit stammen. Wenn sie der Bruder, die Schwester gerissen hat, wenn sie einfach nicht heilen wollen, weil immer wieder jemand kommt und nicht vergisst und daran kratzen muss, an dieser dünnen Kruste, an diesen blutigen Flecken in der Erinnerung. So geht es den Geschwistern in Daniel Mursas...
