«Ich bin die Mauer»
Die Jahre zwischen 1977 und 1980 waren die krisenhafteste Zeit seines Lebens. Im Oktober 1976 war er von einem Wien-Aufenthalt anlässlich einer Inszenierung am Burgtheater nicht mehr in die DDR zurückgekehrt. Im März 1977 wird seine Freundin Gabriele Gerecke bei einem Fluchtversuch an der innerdeutschen Grenze festgenommen und zu drei Jahren Haft im berüchtigten Frauenzuchthaus Hoheneck verurteilt. Schleefs Versuche, im Westen mit diversen Theaterprojekten Fuß zu fassen, scheitern allesamt.
Der «Hirni aus Sangerhausen» (Schleef über Schleef) driftet durch die Bundesrepublik; immer dabei das Tagebuch, als einziger Vertrauter und Speicherort seiner Obsessionen, ergänzt um zahlreiche eingefügte Erinnerungen und Reflexionen aus Schleefs letzten Lebensjahren, als er noch einmal intensiv an dieser exzessiven Ich-Erzählung arbeitete.
Nicht wirklich fort, nicht wirklich angekommen: Schleef bleibt im Niemandsland zwischen Ost und West. Träume, Entwürfe für Texte, Zeitungsmeldungen finden sich in dieser verästelten Collage neben Konflikten und Depressionen, niemals glücklichen Freundschaften und durchgängig verkorksten Frauenbeziehungen; alles von Schleef mit erschütternd präzisem Blick und ...
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Nach Lars-Ole Walburgs Düsseldorfer «Orestie» lässt sich noch besser nachvollziehen, warum Michael Thalheimer in seiner Berliner Inszenierung 2006 den dritten Teil, «Die Eumeniden», gestrichen hat. Die Wucht der Tragödie, auf die es hier ankommt, ist mit einer unentschieden endenden Abstimmung, mit dem Schlichterspruch einer gütigen Pallas Athene, also mit Friede...
Es ist dieser Aufkleber an der Tür zu dem kleinen, abseits und verwunschen im Grünen am plätschernden Landwehrkanal gelegenen Theater in Eisleben, der einem klar macht, dass mit dieser Idylle irgendwas nicht stimmt. «Aktion Noteingang – Wir bieten Schutz und Information bei rassistischen und fremdenfeindlichen Übergriffen» steht da, und dann tritt man ins Foyer...
Keine Ahnung, was «Schwellenangst» auf Französisch heißt. Es wird schon ein Wort dafür
geben. Aber was Angst vor der «S.» ist, das lässt sich beispielhaft ablesen an der im letzten Sommer erschienenen Saisonbroschüre, mit der Pascal Rambert, der neue Leiter des Théâtre de Gennevilliers, sein Zielpublikum umwirbt. Wobei es sich durchaus um eine prätendierte Angst...
