Kritische Wahrnehmung
Der Wunsch nach theatergeschichtlichem Überblick stößt unweigerlich auf Manfred Braunecks lexikalisches Werk. 2010 wurde ihm für seine Forschungen zur «Geschichte des Theaters in all seinen Ausdrucksformen» der Balzan-Preis von gleichnamiger Stiftung verliehen, dessen Preisgeld zur Hälfte – und unter administrativer Obhut des ITI Deutschland – in ein Forschungsprojekt zum Freien Theater investiert wurde. Eine mit Sicherheit bislang eher marginal rubrizierte Schublade in Braunecks Privatarchiv, die aber auch allgemein auf ihre umfängliche Archivierung und Erforschung wartet.
Insofern ist es das große Verdienst von Preisträger, Geldgeber und ITI, dass der transcript-Verlag nun die schriftlichen Forschungs-Ergebnisse unter dem Titel «Das Freie Theater im Europa der Gegenwart. Strukturen – Ästhetik – Kulturpolitik» auf 650 Buchseiten veröffentlichen konnte: sechs Überblicksstudien zu diversen Schwerpunkten (Osteuropa, Migration, Postmoderne) und Sparten (Tanz und Performance, Musiktheater, Kinder- und Jugendtheater). Gerahmt wird dieses im eigentlichen Sinne forschende Feld von einem Vorwort von Manfred Brauneck, das neben der Einführung in die Begriffsproblematik ...
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Theater heute Dezember 2016
Rubrik: , Seite 56
von
München und das freie Theater, das war durchaus mal eine Liebesbeziehung, damals in den 1970er und 80er Jahren, als sich allerlei wilde Vögel ungefragt und anfangs auch ungefördert in Kellern und Hallen ans Werk machten, um das Theater in eine von Material und Form her unbegrenzte Dimension zu öffnen, die man sich an den großen Häusern da noch lange nicht...
Dario Fo wollte im Theater sterben. Das heißt: Am liebsten wollte er natürlich gar nicht sterben. Wie er 2003 im Marcel-Proust-Fragebogen des «Corriere della Sera» angab, war ihm der Tod das größte Unglück. Nicht das Sterben allerdings, sondern «… nicht mehr zu leben».
Schon sein Großvater hatte diese feine Unterscheidung getroffen. Großvater Bristin,...
Man kennt den warmen Fallwind im Alpenraum unter dem Namen «Föhn». Er mache einen wuschig, sagen die Leute von alters her. Etwas besser überprüfen kann man den optischen Effekt. Bei Föhn erscheinen die Berge näher, die Sicht ist superklar. Münchner und Zürcherinnen kennen diese Lage sogar aus der Stadt, man braucht gar nicht in die voralpinen Täler zu fahren,...
