Das bürgerliche Geschäftsgeheimnis
Was hat König Ödipus mit der Finanzkrise zu tun? Weil die «Schuld» des Königs, der unwissentlich den Vater erschlagen und die Mutter geheiratet hat, so ähnlich klingt wie «Schulden»? Weil die zahlungsunfähigen amerikanischen Eigenheimbesitzer ihre Kreditverträge ebenso wenig überpeilt haben wie der Thebaner seine Familienverhältnisse? Oder weil sie ihre Häuser genauso verlassen müssen wie der gestürzte Herrscher seinen Palast? Zu diesem Ergebnis jedenfalls kommen die vergleichenden Überlegungen in «Aber sicher!».
Die Kunst von Elfriede Jelinek, die mit ihren mäandernden Monologfluten regelmäßig in die Hirn- und Redewindungen eines allgemeinen Wir gekrochen ist, diese Kunst war immer auch eine Kunst des Dummstellens. Um König Ödipus und die Finanzkrise zusammenzudenken, muss man sich heute schon sehr dumm stellen.
Vier Jahre nach ihrer monumentalen, 99-seitig dahinströmenden Finanzkrisenwortflut «Die Kontrakte des Kaufmanns» hat sich Elfriede Jelinek noch einmal zum Thema geäußert. Wie sein Vorläufer ist auch «Aber sicher!» kein sonderlich analytisches Werk. Wer die Kreditgeschäfte und internationalen Märkte verstehen will, hätte schon immer besser das «Handelsblatt» lesen sollen. ...
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Theater heute Juni 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Franz Wille
Aachen, Theater
6. Mansmann, Arm sein
R. Nora Mansmann
7. Foer, Tiere essen (U)
R. Stefan Nolte
Aalen, Theater der Stadt
15. Gombrowicz,
Yvonne, die Burgunderprinzessin
R. Nikolaos Boitsos
22. Hauff, Das Wirtshaus im Spessart
R. Ingmar Otto
29. Vallejo, In der brennenden Finsternis
R. Marguerite Windblut
30. nach Herrndorf, Tschick
R. Anne Vogtmann & Larissa Werner
Altenburg/Ge...
Die Bässe gehen in die Eingeweide. Minutenlang wird das gepflegte Abonnenten-Publikum in den Bad Godesberger Kammerspielen von härtestem Techno bedröhnt. Ihr Urheber, der Berliner Rapper Volkan T., spielt als Hausmeister Quaquaro mit: ein muskelgepumptes, volltätowiertes deutsch-türkisches Gesamtkunstwerk in Silber-Ganzkörperanzug mit sonnengelbem Höschen und...
Kleine Produktion, große Wirkung: Wenn's nach dem Echo in den Feuilletons und dem Diskussionsfuror im «nachtkritik»-Forum geht, dann scheint Stefan Ottenis Handke/Han-Adaption die größte Hervorbringung des Karlsruher Schauspiels in bislang eineinhalb Spielzeiten von Peter Spuhlers Intendanz zu sein. Freilich: Wer einen Sloterdijk-Buchtitel («Du musst dein Leben...
