Der Persönlichkeitstest
Wie der selbstgeblendete König ein Mörder war und es nicht wusste, so sind wir, selbstgeblendet, unsere eigenen Mörder, unsere Schuld wird auf dem Bildschirm eingeblendet, sie ist hoch, sie ist zu hoch, wir waren geblendet, geblendet von uns selbst», schrieb Elfriede Jelinek in ihrem am Theater Bremen uraufgeführten Stück «Aber sicher!» über unseren Umgang mit Schuld und Schulden inmitten der aktuellen Wirtschaftskrise.
Der niederländische Autor Oscar van Woensel interessiert sich nicht für die gesellschaftskritischen Aspekte dieses Themas, sondern konzentriert sich auf die Identitätsfrage. In seiner Bearbeitung
des Ödipus-Mythos verbindet er Sophokles’ Tragödien «König Ödipus» und «Ödipus auf Kolonos» und somit zwei Lebensalter, zwei Erkenntnisstadien des Helden.
Van Woensel lässt den vom Selbstzweifel noch nicht angegriffenen jungen Ödipus und den von schweren Schicksalsschlägen getroffenen und nach Erlösung suchenden Alten sich begegnen. Er zeigt gleichzeitig die ihn prägende Vergangenheit Ödipus’ und die Zukunft seiner Familie. In Rückblenden von intimen Situationen zwischen Iokaste und ihrem ersten Mann Laios offenbaren sich die Ängste und Sehnsüchte von Ödipus’ Eltern. ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 196
von Viktorie Knotková
Mit «Smokefall» und «The Homemaker» hat Noah Haidle sein Grundstück bereits auf beeindruckende Weise abgesteckt. Bevölkert wird es von mehreren Generationen von Familien mit archaischen Strukturen: Die Mütter warten, die Väter verlassen und die Kinder suchen. Vom Fötus im Bauch der Mutter bis zum dementen Großvater lässt Haidle sie zu Wort kommen. Bei aller...
Gehören Sie vielleicht auch zu jenen Zeitgenossen, die ihr Allerwelts-Ich für eine grandiose, singuläre, unverwechselbare Angelegenheit halten? Denken Sie auch, dass Sie mit Ihrer Kleinfamilie, Patchworkbeziehung oder Singledasein und den üblichen Alltagsproblemen ganz uneinholbar einmalig in der Welt stehen? Dass sich jeder für Ihre mickrige Meinung interessieren...
(Wäre es nicht schön, wenn Theatermachen nicht bedeutete, dass in Reihe drei jemand sitzt, der im narzisstischen Rausch abgerichtete Menschen anschreit und von A nach B schiebt und das auch noch beim sogenannten «Inszenieren» (hahahaaaa) eines heruntergekommenen und schon an Ort und Stelle fragwürdigen Stückes, das nicht der Gegenwart, sondern größtenteils nach...
