Säle mit Seele
Frau Lorenz macht wieder Theater – Frau Lorenz, Seitenflügel vierter Stock im Gebäudekomplex Sophienstraße 18, Berlin Mitte – in der Stadt allerdings besser als «Sophiensæle» bekannt. Denn Frau Lorenz, Altmieterin noch aus DDR-Zeiten, erlebt die Kunst, die hier nun seit gut zehn Jahren Berlins Ruf als europäisches Zentrum des freien Theaters festigt, im Wesentlichen als Belästigung. Immer wieder hagelt es Beschwerden und Drohungen, erreichen Briefe von romanhaften Ausmaßen das Büro von Amelie Deuflhard, die seit 1999 Künstlerische Leiterin des Hauses ist.
«Wenn das so weitergeht, muss ich die Miete mindern. Ich kann ja meinen Mietzweck nicht erfüllen, wenn ich keinen Krach machen darf!» Den Mietzweck Theater nämlich.
Diesmal ist es eine Veranstaltung zum hundertsten Geburtstag der Sophiensæle, die Frau Lorenz’ Zorn auf sich gezogen hat, «Halbe Ewigkeit», ein theatralischer Parcours durch Gebäude und Hof, der sich assoziativ und gelegentlich auch geräuschintensiv mit der Geschichte des Ortes auseinandersetzt – und zwar nicht nur in den drei Sälen, in denen normalerweise Theater gespielt wird: dem großen Festsaal im ersten Stock, dem etwas kleineren Hochzeitssaal zwei Stockwerke höher ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Sein Haus, seine Gäste, seine Frau. Der Mann, Jean Hervey, ist zufrieden. Der Zuschnitt, den er seinem Leben gegeben hat, ist auf korrekte Weise luxuriös. Von einem wohlhabenden Erwerbsbürger dieser Jahre um 1900 erwartet man nichts anderes. Und das wärmt sein konformitätsbedürftiges Herz, was wiederum die stärkste Emotion sein dürfte, derer er fähig ist.
Mit...
Es gibt Poptitel, die bringen eine Situation mehr auf den Punkt als seitenlange Dialoge. Also legt sich die ohnehin labile Charlotte im Moment einer besonders großen Krise (ihr alkoholkranker Freund ist gerade gestorben) hin, und es ertönt der Popsong «Suicide Is Painless». Und also singt Charlottes spießiger Bruder Julius, der aus der Enge seiner Ehe zu Charlotte...
Man sagt dem Regisseur Jürgen Gosch eine Schwäche für Süßigkeiten nach. Wer die besten Konditoreien in Düsseldorf, Berlin, Hamburg, Hannover oder Zürich wissen will, der frage den 62-jährigen Regisseur auf Endlostournee. So raunt man in Zügen und Hinterzimmern. Irgendeine Droge muss der unermüdliche Mann ja haben, warum nicht den Downer aus schön verarbeitetem...
