Das Ende des Dialogs

Nuran David Calis «Kuffar. Die Gottesleugner»

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Wahrheit und Freiheit unterhalten im aufgeklärten Europa ein höchst verzwicktes Verhältnis. Doch Hakan Denktas, Protagonist in «Kuffar. Die Gottesleugner», kennt den Ausweg aus den Beunruhigungen der Moderne: Er stellt sie still, indem er sie als einfachen Gegensatz begreift. «Ihr sucht die Freiheit. Ich suche die Wahrheit.» Präziser lässt sich die Attraktivität eines religiösen Sinnversprechens kaum zusammenfassen, das Ambiguität in Eindeutigkeit überführt und Kontingenz in Ideologie.

Nuran David Calis’ jüngstes Stück ist, erstens, das Protokoll einer allmählichen Radikalisierung. Hakan, Sohn türkischer Einwanderer, ein Kind der zweiten Generation, wandelt sich vom Krankhausarzt, der verbotenerweise medizinisches Gerät nach Syrien schickt, zu einem überzeugten Islamisten. Als Abu Ibrahim verleiht er seinem wachsenden missionarischen Eifer Ausdruck in einem Videoblog. Je kompromissloser er argumentiert, desto größer wird die Zahl seiner Follower. Bis der Blog eines Tages vom Netz geht. Warum, bleibt in der Schwebe.

 

Der französische Politologe Olivier Roy hat darauf hingewiesen, dass die Radikalisierung junger europäischer Muslime nicht ohne das Thema des Generationenkonflikts zu ...

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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 159
von Claus Caesar

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