Wut war mal
«Bell doch mal!», sagt der Typ im Anzug auffordernd. «Bell mal, so richtig laut, wütend, aggressiv!» Wie Coachs so reden. Der Response der Klienten ist allerdings unbefriedigend: ein klägliches «Miau!», ein leises Röcheln, müdes Wauen. Wut war mal.
Knapp zwei Wochen nach einer Bundestagswahl, bei der 15 Prozent des Wahlvolks einen denkbaren Zorn auf deregulierende Finanzkrisenverursacher in die höchste Bestätigung (neo-)liberalen Denkens der Nachkriegszeit umgemünzt hatte, traf «Trust» wie die Faust aufs Auge des weltumspannenden Vertrauensverlusts, der hierzulande einfach keine Folgen zeitigen will. Und mitten ins Herz der Vertrauenskrisen im heimischen Wohnzimmer. Denn das Schlingern des englischen Titelbegriffs zwischen eiskaltem «Großkonzern» und herzerwärmendem «Vertrauen» übersetzen Autor/Regisseur Falk Richter und Choreografin Anouk van Dijk in ihrer zweiten Zusammenarbeit, neun Jahre nach «Nothing hurts», in Sprache und Körper, in denen sich das kollektive Wutversagen im privaten Verstummen spiegelt. Der betrogene Kay bringt folglich auch nicht mehr als eine schlaffe «Miau»-Haltung zustande, wenn ihm Gattin Judith bestgelaunt mitteilt, dass sie gerade mit dem x-ten ...
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frage: was wird man schon bei einem fünf-minütigen besuch in peking sehen? antwort: zunächst einmal zahlen. ja, jede menge zahlen haben sich schon vor der ankunft vorgedrängt und verstellen einem bei der ankunft die sicht auf die stadt. und es sind nicht etwa mickrige europäische zahlen, nein, hier hat man es immer mit millionen und hunderten millionen, mit...
Der erste Eindruck ist überwältigend: der Transrapid, der mit kaum gefühltem Tempo 430 ins Zentrum gleitet; Schnellstraßen, die in mehreren Etagen übereinander die Stadt durchschneiden; die glitzernden Fassaden von ein paar hundert der insgesamt 4.000 Wolkenkratzer rechts und links der Highways; grellbunte Werbeblöcke als 24-Stunden-Service vom Taxi-Fernsehen bis...
In Frankfurt wird das Schauspiel wieder groß geschrieben. Nach acht Jahren «schauspielfrankfurt» unter Elisabeth Schweeger hat Oliver Reese sich auf alte Tugenden besonnen. Deshalb heißt das Kleine Haus nun wieder Kammerspiele, das Große Haus Schauspielhaus, und statt der Schmidtstraße werden das Bockenheimer Depot und eine schwarze Box im Foyer bespielt. Es gibt...
