München: Herzstillstand
Zwei zeitgenössische Künstler, ein Videofilmer und ein Autor, liefern das Ausgangsmaterial zu den beiden jüngsten Produktionen der Münchner Kammerspiele: Ryan Trecartin, geboren 1981 in Texas, ist ein Digital Native der ersten Stunde, der mit hochprofessionell produzierten Videos in der trashigen Youtube-Ästhetik einer dauerquasselnden, mit der Kamera im Kinderzimmer aufgewachsenen und nie erwachsen werden wollenden Post-Internet-Generation die Kunstwelt derzeit in helle Verzückung versetzt.
Regisseur Felix Rothenhäusler hat Trecartins Drehbuch zu seinem Film «The Re’search» in der kleinen Kammer 3 sozusagen re-analogisiert und aller bunten Pop-Accessoires entkleidet. Das übrig gebliebene Wortgeflimmer im Twitterlook lässt er von hochkarätigen Darstellern wie Brigitte Hobmeier, Julia Riedler und Thomas Hauser in schwarzen Trikots als hyperaktive, inhaltlich kaum fassbare Sprech-Aerobic-Stunde vor einer Spiegelwand vorturnen. Danach hat man das Gefühl, aus einem speedgetunten Gehirnwaschgang frischgeschleudert wieder aufzuwachen.
Literarisch gehaltvoller ist da die Vorlage, die der britische Schriftsteller Tom McCarthy mit seinem Romandebut «8 ½ Millionen» zu ...
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Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Chronik, Seite 65
von Silvia Stammen
Man kennt den warmen Fallwind im Alpenraum unter dem Namen «Föhn». Er mache einen wuschig, sagen die Leute von alters her. Etwas besser überprüfen kann man den optischen Effekt. Bei Föhn erscheinen die Berge näher, die Sicht ist superklar. Münchner und Zürcherinnen kennen diese Lage sogar aus der Stadt, man braucht gar nicht in die voralpinen Täler zu fahren,...
Dario Fo wollte im Theater sterben. Das heißt: Am liebsten wollte er natürlich gar nicht sterben. Wie er 2003 im Marcel-Proust-Fragebogen des «Corriere della Sera» angab, war ihm der Tod das größte Unglück. Nicht das Sterben allerdings, sondern «… nicht mehr zu leben».
Schon sein Großvater hatte diese feine Unterscheidung getroffen. Großvater Bristin,...
Warum eigentlich Europa verteidigen? Eine zerklüftete Territorialplatte mit unklarer Ostgrenze und recht diffuser paläoanthropologischer Vergangenheit, die nicht unwesentlich auf einen afrikanischen Einwanderer zurückgeht, den bis heute erstaunlich agilen Homo Sapiens. Wer herkunftsgeschichtlich argumentiert, hat es mit den Europäern nicht leicht, und auch sonst...
