Die neue Norm

Der Kulturaustausch mit Russland braucht neue Grundlagen. Warum westliche Künstler sich nicht mehr als Feigenblätter Wladimir Putins hergeben dürfen

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Im Jahr 2014, unmittelbar nach der Annexion der Krim, wurde ich zu einer Konferenz nach Polen eingeladen. Die polnischen Intellek­tuellen und Künstler waren von den Krim-Ereignissen so schockiert, dass sie auf einen Russland-Boykott drängten: kein Besuch von russischen Festivals und Konferenzen mehr, keine Gastspiele in Russland. Ich habe diese Idee damals heftig abgelehnt. Mein Argument war, dass der totale Boykott den Ist-Zustand nur verschärfen wird. Damit Russland in europäisch-zivilisatorischer Reichweite bleibt, müssten wir unsere kulturellen Beziehungen auf jeden Fall erhalten.

Vier Jahre später scheint es mir an der Zeit, diese Idee zu korrigieren.

Macht es Sinn, in der Kultur wie in der Politik oder im Sport schwarze «Sanktionslisten» aufzustellen? Diese Frage wird von Vertretern der euro­päischen Kulturgemeinschaft schon lange nicht mehr diskutiert; aber genau das sind mittlerweile Schlüsselfragen.

Im November 2017 fand in St. Petersburg ein großes internationales Forum statt, organisiert vom Ministerium für Kultur der Russischen Föde­ration. Es ist kein Geheimnis, dass sich dieses Ministerium für Kultur unter der Leitung von Wladimir Medinski seit 2012 eng mit ...

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Theater heute Mai 2018
Rubrik: International, Seite 50
von Marina Davydova

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