Die spinnen, die Griechen

Am Münchner Residenztheater holt Anne Lenk «Das goldene Vlies» auf den dreckigen Boden europäischer Migrationspolitik, Ivan Panteleev entschwebt mit «Philoktet» in ferne Sprachsphären

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Gesinnungsapplaus gehört derzeit einfach dazu in München: Als Gora aus dem riesigen «Welcome»-Trans­parent über der Bühne des Residenztheaters mit einer Malerrolle ein «We come» zaubert, ist es so weit, demonstratives Klatschen im Zuschauerraum. Dabei geht es zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr darum, Überzeugungen zu transportieren, höchstens noch um Trotz, denn Medea und ihre resolute Wegbegleiterin Gora (Katrin Röver) haben schon verloren. Ihre Ausweisung im sanften Licht eines gigantischen EU-Sternenkranzes steht kurz bevor.

Die Symbolik, mit der Regisseurin Anne Lenk und Bühnenbildnerin Judith Oswald «Das goldene Vlies» von Franz Grillparzer anpacken, ist überdeutlich – das kann nerven, gerade in solchen seltsam bekennerischen Momenten. Unter der Oberfläche der opernhaft großen Bilder liegt aber eine kluge, lebendige Reflexion des Mythos, erzählt aus einer Gegenwart her­aus, die die Vergangenheit nicht kennen will.

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Theater heute Februar 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 8
von Cornelia Fiedler

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