Oratorium verschwiegener Sehnsüchte
Wie schon in «Todesnachricht» (2011) und «Ich wünsch mir eins» (2012) spielt auch im dritten Stück der deutsch-iranischen Autorin Azar Mortazavi ein aus einem anderen Kulturkreis stammender abwesender Vater eine Rolle. Als dieser sich von der Mutter getrennt hatte und zurück in seine Heimat zog, ging Tochter Mina (Maya Henselek) mit ihm. Jetzt, nach dem Tod des Vaters, ist sie zurück in Deutschland und zu Besuch bei ihrer Halbschwester Maria (Sonja Romei). Dass Mina wieder zu Hause angekommen wäre, kann man nicht behaupten, im Gegenteil.
Für das Verhältnis der beiden Frauen ist «fremdeln» ein Hilfsausdruck.
Nicht das postmigrantische Vatermotiv aber steht diesmal im Mittelpunkt, sondern eine gründlich verkorkste Ehe. Maria ist gerade Mutter geworden und mit dem schreienden Baby offensichtlich schwer überfordert. Ihr Mann, der Rechtsanwalt Toni (Raphael von Bargen), ist ihr keine große Hilfe, weil er immer so spät aus dem Büro kommt. Was Maria nicht weiß: Der schüchterne Toni hat panische Angst davor, ein Klient könnte seine kleine Kanzlei betreten. Wenn überhaupt, übernimmt er nur kleine Fälle; sobald es um etwas geht, mag er die Verantwortung nicht übernehmen. Für die Klienten ...
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Theater heute Januar 2015
Rubrik: Chronik Wien Wortstaetten, Seite 58
von Wolfgang Kralicek
Am 25. August wurden König Ludwig I. (1786) und Ludwig II. (1845) geboren – und Jürgen Rose: 1937. Der erste baute die Stadt München zur Metropole aus mit Oper, Uni, Pinakothek; der zweite ließ Schlösser für Träume errichten. Der dritte baute traumhafte Kulissen und fantastische Dekors in den Theatern der Welt.
Roses Vorfahren, von Mutters wie von Vaters Seite,...
Der Tod steht vor der Tür, hält seine Hand auf, ich schweige. Ich schaue hinter mich, alles voller Licht und Erregung, die Dinge, die ich nicht getan habe, die, die ich dabei immer gern getan hätte – das Leben im Konjunktiv, denke ich, in gebeugter Form. Der Tod wird ungeduldig – ich halte seinen kalten Blick, lächle und höre mich sagen: Komm morgen wieder, morgen,...
Er denke noch daran, wie schön sie es doch hatten, trotz allem, sagt der alte Mann, bevor er die Schlinge festzieht und springt. Das gute Leben für ihn, seine Frau und den Sohn hat er am Ende freiwillig mit dem eigenen Leben bezahlt. Man wollte nicht in einer Plattenbaubruchbude am Stadtrand wohnen, man wollte Auslandsreisen machen, der Sohn sollte studieren...
