Sein vor Sinn
Ich bin Milan, sagt Milan, und ich koche gern, wirklich. Dann packt er seine Messer aus, säbelt ein bisschen auf ihnen herum, bis jeder eventuell vorhandene Schliff ruiniert ist und guckt zufrieden ins Publikum. Außer Milan gibt es noch Herbert, Marc und Samuel. Der eine fickt gern, der andere isst gern, und der dritte fühlt sich am wohlsten beim Autofahren oder an den großen Brüsten seiner Ersatzmutter. Nichts Besonderes also, so geht es vielen.
Ende der siebziger Jahre war Marco Ferreris «Das große Fressen» ein Ausbund an Dekadenz, Sinnbild einer wohlstandssatten Zivilisation, die am eigenen Überfluss erstickt. Kapitalismuskritik, die den Kapitalismus für seine Gewinner zu Ende denkt. Nicht an den Klassenverhältnissen wird irgendetwas oder irgendwer scheitern, man wird sich stattdessen großbürgerlich aufwendig und ein klein wenig ergreifend zu Tode konsumieren. Wenn Dimiter Gotscheff in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, nach wie vor der Zentralbunker der deutschen theatralen Kapitalismuskritik, Ferreris Film zur Bühnenvorlage nimmt, weiß jeder, was gemeint ist. Was zählt zwischen damals und heute, sind die feinen Unterschiede.
Während von der Decke und aus dem Boden ...
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Die Berliner Tageszeitung «Germania» veröffentlicht am 9. August 1930 einen Aufsatz der jungen Dramatikerin Marieluise Fleißer. Die durch Skandale um die Uraufführungen ihrer Stücke «Fegefeuer in Ingolstadt»( 1926) und «Pioniere in Ingolstadt» (1928) bekannt gewordene Dramatikerin porträtiert zwei Jahre nach der Einführung des Tonfilms auf ungemein anrührende Weise...
Vorab die gute Nachricht. Wir befinden uns nicht in einem «Krieg der Kulturen». Jedenfalls nicht in einem zwischen «dem Westen» und «dem Islam». Und wenn wir vom radikalen politischen Islam sprechen, der unter Migranten-Jugendlichen in westlichen Gesellschaften um sich greift, handelt es sich dabei nach wie vor um eine Sache von kleinen Minderheiten unter den...
Roland Schimmelpfennig hat einmal gesagt, Theater sei «Faxenmacherei». Seitdem aber seine Stücke immer mehr die deutschen Bühnen bevölkern, geheimnissen die Bühnenkünstler, eifrig sekundiert vom erwartungsvollen Feuilleton, viel in die angeblich raunenden, nicht enträtselbaren, überdies naturgemäß postmodernen Texte hinein. Denn Schimmelpfennig ist in der Art, wie...
