Nürnberg: Respekt? Suspekt!

Elfriede Jelinek «Die Schutzbefohlenen»

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Elfriede Jelineks Stück «Die Schutzbefohlenen» ist noch keine drei Jahre «alt». Was ist geschehen seither? Allein 2015 ertranken mehr als 3.000 Flüchtlinge im Mittelmeer; europäische Politiker verhandelten in endlosen Sitzungen über das Schicksal von fliehenden Menschen, als wären sie Stückgut, das es zu verfrachten oder zurückzuschicken gilt; und vor ein paar Tagen erst wütete in Clausnitz ein bürgerlicher Mob gegen Fremde und fand in der örtlichen Polizei tatkräftige Unterstützer.

«Wenn Sie Zorn wollen», schreibt Jelinek in einer der Fortschreibungen ihres Dramas, «sollen Sie ihn haben. Ich möchte den Tag erleben, an dem wir keine Sklaven, nein, ich sage es anders, ich sage etwas anderes, den Tag, an dem wir keinen Zorn mehr brauchen …»

Dieser Tag ist fern. Und in Nürnberg erleben wir nun und deshalb einen Abend des Zorns. Bettina Bruinier hat «Die Schutzbefohlenen» inszeniert, und man spürt, dass sie das aus einer Verzweiflung heraus tun musste: Nichts hat sich geändert seit der Uraufführung des Werkes. Oder doch: Es ist alles nur noch schlimmer gekommen. Die farbigen Slow-Motion-Filme, die wie auf einem Fries im Hintergrund der Bühne laufen, zeigen überfüllte, «zitternde» Boote, ...

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Theater heute April 2016
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Bernd Noack

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