Blick hinter die Maske
Vielleicht hat Clara Recht, wenn sie sagt, dass ihrem Bruder Édouard seine Maske zum Verhängnis geworden ist. Reda, der attraktive Sohn eines algerischen Einwanderers (ein Kabyle, kein Araber), hat ihn vielleicht genau deshalb im Verlauf eines One-Night-Stands beraubt, gewürgt und mit in den Nacken gedrücktem Pistolenlauf vergewaltigt, weil er sein früheres Ich verleugnet hat.
Weil Édouard nicht mehr Eddy Bellegueule sein will, der Sohn einer Putzfrau in der Picardie, sondern der Pariser Student und Schriftsteller Édouard Louis, der mit den mittlerweile auch in Deutschland prominenten Geisteswissenschaftlern Didier Eribon und Geoffroy de Lagasnerie befreundet ist. Hat Édouard seine neue Rolle als bourgeoiser Jung-Intellektueller wirklich so überzeugend gespielt, dass Reda ihn, den vermeintlichen Klassenfeind, geradezu zwangsläufig angreifen musste? Oder, freudianischer formuliert, empfindet er Überfall und Vergewaltigung womöglich als Strafe für seinen Versuch, seine Herkunft hinter sich zu lassen?
Der eigenen Rolle auf der Spur
Am Schluss von Thomas Ostermeiers Bühnenadaption taucht dieser Satz mit der Maske noch einmal auf; in einer letzten Videoeinstellung grinst Laurenz ...
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Theater heute August/September 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 34
von Eva Behrendt
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