Der menschliche Verschleiß
Alles Große am neuen, zweiten Band der nachlässig dahingeplapperten autobiografischen Lebenssaga des Peter Zadek, mit dem wir den achtzigsten Geburtstag im Mai begehen werden, ist eigentlich völlig unerträglich. Das dürfte einem Künstler von Zadeks Format gefallen, schon weil es seinen gottgleichen Status festigt. Die Götter haben ihre Menschenkinder immer bestraft und belohnt zugleich, in einer wüsten, völlig undurchschaubaren und unberechenbaren Mischung aus Liebe und Hass.
Sie waren nie jenseits von Gut und Böse, sie waren gut und böse in besonders wüster, archaischer und gewalttätiger Ausfertigung. So auch der Herr Z. mit seiner zu großer Kunst gesteigerten Verantwortungslosigkeit und seiner Strategie der zum Genialischen geheiligten Verwahrlosung. Alles höchst zeitgebunden: Ohne es wirklich zu wollen, liefert das Buch fantastisches Material für die Entmystifizierung der westdeutschen siebziger Jahre, neben der Deutsche-als-Kriegsopfer-Debatte eines unserer aktuellen Modeprojekte. Aber auch ein wenig Re-Mystifizierung bietet sich an.
Es nervt der Aufmarsch der Weggefährten, denen in namentlich gekennzeichneten Absätzen je ein braves Anstandswauwau nachgebellt werden muss und zu ...
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Laut Grimme-Preis-Jury ist sie «die Entdeckung des Jahres für Schauspielleistung», und zwar in nicht weniger als vier Fernseh-Spielfilmen: Nina Kunzendorf, seit 2001 im Ensemble der Münchner Kammerspiele und dort häufig in großen Frauenrollen zu sehen – als Verführerin Ysé in Paul Claudels «Mittagswende», als tobende Klytaimnestra in der «Orestie» und als stumme...
Bürgermeister Kruschkatz hat reiche Erfahrungen mit der historischen Wahrheit. Er hat sein Amt in Guldenberg, Christoph Heins DDR-Paradeprovinznest, 19 Jahre lang versehen, länger als jeder seiner Vorgänger und zur besten Aufbauzeit: von 1957 bis 1976. Er hat darüber seine Frau verloren, erst an seinen Widersacher Horn, dann an den Krebs, und er hat die deutschen...
Auch im Hörspiel sind neue Formen von Dokumentarstücken auf dem Vormarsch. Sie bedienen sich echter und nachgestellter O-Töne, spielen mit dem dokumentarischen Material in Formen des Rundfunk-Features und der Reportage, scheuen aber auch nicht vor dem Ausfüllen von Leerstellen einer wahren Geschichte mit spannend gemachten Kolportage-Elementen zurück, die im...
