Abgespielt
Ende der Vorstellung» und «Wenn der Vorhang fällt»: Unter diesen Titeln firmierten Margarita Broichs Schauspielerporträts im Salzburger Museum der Moderne 2009 und zwei Jahre später im Berliner Martin-Gropius-Bau. Zu den Ausstellungen gab es unter den nämlichen Überschriften im Salzburger Salzmann/Müry- und im Berliner Alexander-Verlag opulente Kataloge mit klugen Essays u.a. von Thomas Oberender, Hanns Zischler und Hans-Thies Lehmann.
«Alles Theater» heißt nun der Editionen dritter Teil dieses Work in Progress, ein feines kleines Büchlein aus Suhrkamps Insel-Bücherei, Auswahl und Erweiterung des Wohlbekannten: Gut die Hälfte der 31 Fotos hinter der Bühne, in der Garderobe oder Maske sind erst 2015 entstanden, fast alle in Berlin, wo die Schauspielerin und ausgebildete Fotografin Margarita Broich lebt, mit Martin Wuttke, einem bevorzugten Objekt
ihrer Porträtkunst. Im neuen Bändchen ist er, noch immer im weißen Rüschenhemd, mit alberner schwarzer Ohrenkappe und lässiger Fluppe in der Hand, aus dem hemmungslosen Slapstick seines «Eingebildeten Kranken» an der Volksbühne in eine wache Erloschenheit gelangt, mit einem Blick, der durch die Kameralinse hindurch zu gucken scheint in ein ...
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Theater heute Dezember 2015
Rubrik: Bücher, Seite 52
von Barbara Burckhardt
Der Blick geht in Richtung Schnürboden, da oben schwebt etwas. Ein Engel? Oder doch nur das Ozonloch? Wir schreiben das Jahr 1986, die westliche Welt bewegt sich zwischen Milleniumsangst und radikaler Selbstvergewisserung. Kalter Krieg, konservativer Backlash, Umweltzerstörung schaffen eine fiebrige Atmosphäre, in der der Ausbruch der Aids-Epidemie wie ein Fanal...
Beginnen wir mit der Suche nach Veränderung. Revolutionen seien die Lokomotiven der Geschichte, meinte Karl Marx. Klingt nicht nach einem gemütlichen Betriebsausflug, weist aber eindeutig nach vorne ins Bessere. Wie sich der historische Antrieb der russischen Revolution für die freiwilligen wie unfreiwilligen Fahrgäste anfühlt, hat Andrej Platonov beschrieben: Eine...
Am Anfang des Anfangs tritt ein steinalter Rabbi an die Rampe im Schauspielhaus Basel und beerdigt die guten alten Zeiten. Der Bart wuchert fransig, die Stimme fistelt brüchig, und wenn ihm wieder eine Omi aus dem Pflegeheim in der Bronx weggestirbt, spürt der Rabbi, dass bald niemand mehr weiß, wie ein Schtetl von innen ausgesehen hat. Er hat Mühe mit «die...
