So schnell mutieren die Preußen nicht
In Bayreuth werden die Wunden geschlagen, und in der Volksbühne sollen sie heilen. Erst kollidiert Schlingensief 2004 planmäßig mit dem Wagner-Establishment und verarbeitet den Crash dann in allerdings einer seiner besten Inszenierungen und Musiktheaterverbesserungsvorschläge, «Krankheit ALS Theater – A. Hipler: Kunst & Gemüse». Im Jahr darauf wird Marthaler vor die unlösbare Aufgabe gestellt, den Liebestod von Tristan und Isolde irgendwie zeitgenössisch zu dementieren, ohne die Musik anzutasten, versteht sich.
Auch er antwortet nun ein halbes Jahr später auf die Bayreuther Zumutungen im Heimspiel mit dem, was er am besten kann, einem revueförmigen musikalischen Rundumschlag: mit dem Abendland um den Rosa-Luxemburg-Platz.
Der Liebestod und ein Zentner anderer mehr oder weniger verbrauchter Liebesbeschwörungen der Evergreen-Literatur zwischen Operette und gehobener Frühmoderne durfte nun endlich einer spezifisch melancholischen Lächerlichkeit preisgegeben werden, die in Bayreuth undeutlich bleiben musste. Dort war es zu laut.
Der vielseitig einsetzbare, anstellig mitspielende Bühnenpianist Stefan Wirth gab also etwa die Franz-Liszt-Klavierbearbeitung von Isoldes Tod als völlig ...
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