Stuttgart: Gemeiner Mann – was nun?
«Würde es dich stören, das Handy wegzulegen, wenn wir miteinander sprechen?» – «Mir war nicht klar, dass das ein Gespräch ist» – Das klingt doch nach idealen Voraussetzungen für einen gemeinsamen Urlaub! Der da schulmeistert ist Falk, Philosophieprofessor, intellektueller Machtmensch, Vater zweier Streber, ein Mann mit hoher rhetorischer und ökonomischer Überzeugungskraft.
Die da treffsicher rotzgörig kontert ist Maja, die neue Freundin von Falks Schluffi-Bruder Matze, Bäckereifachverkäuferin, intellektuell und rhetorisch ebenbürtig, ökonomisch unterlegen, ausgestattet mit «Anstand und Klasse». Es ist gerade mal Tag zwei der gemeinsamen Familienbildungsreise durch Japan. Falk, selbst mit Frau und Kindern unterwegs, hatte Matze und Maja dazu eingeladen – und bereut es bereits.
Nis-Momme Stockmanns well-made Play beginnt als schlagfertiger Konversations-Battle auf den Spuren von Yasmina Reza. Genrekonform treibt Stockmann seine Protagonist*innen systematisch in die Enge, hier die Enge eines Tokioter Appartements, bis auch der letzte Rest des dünnen Firnis aus familiärem Goodwill abgeplatzt ist. Darunter lauern Machtstrukturen und Abhängigkeit, vor allem aber ein giftiges ...
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Theater heute April 2019
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Cornelia Fiedler
Krachend fällt der Zivilisationsmüll vom Himmel: Matratzen, Plastikstühle, Zimmerpalmen, Klamotten. Was man eben so gebraucht hat vor der Apokalypse, die eigentlich nur ein schlichter Terroranschlag ist, 117 Tote. Stattgefunden hat er im Sex-Urlaubsclub «Eldorado Aphrodite», in dessen Trümmern ehemals satte, amoralische weiße Mittelstandsmänner umherirren und sich...
Große Romane sind die Kühe, die in Herden durchs Theaterdorf getrieben werden: Im Gegensatz zu zeitgenössischer Dramatik kann man leise Kenntnis beim Publikum voraussetzen, sei es durch eigene Lektürae oder durch Feuilleton-Debatten, sie warten nicht selten mit eigenwilliger poetischer Sprache auf und mit komplexen Figurenzeichnungen. Das Nationaltheater Mannheim...
Rasche-Bühnen sind pompöse Maschinenmonster – und Muster an Effizienz zugleich. Hier am Münchner Residenztheater, wo der minutiöse Monumentalmechaniker nun zum zweiten Mal inszeniert und technisch aus dem Vollen schöpfen kann, wird das besonders deutlich. Marschierten «Die Räuber» 2016 noch auf riesigen schwenkbaren Laufbändern unverwandt auf den Abgrund zu, so hat...
