Gretchenpalimpsest aus dem Keller
Wer sich gefragt hat, wo eigentlich Elfriede Jelineks Text oder Stück zum Fall Josef Fritzl bleibt – hier ist er oder es. «FaustIn and out» schaut in die Hölle, die sich vierundzwanzig Jahre lang in einem unterkellerten Haus in Amstetten in Österreich befand.
Der mittlerweile zu lebenslanger Haft verurteilte Fritzl hatte seine Tochter im Keller eingesperrt, mit ihr acht Kinder gezeugt, einen toten Säugling verbrannt und die überlebenden Kinder teils mit seiner oben im Haus lebenden Frau als angebliche Findlinge in Obhut genommen, teils bei seiner Tochter hinter Eisenbetontüren verborgen. Entdeckt wurde dieses Verbrechen erst, nachdem sich eines der im Keller lebenden Kinder 2008 schwerkrank zum Arzt schleppen durfte. Eine Geschichte aus der Heimat von Elfriede Jelinek, aus deren Erde sie ihre literarischen Bodenproben entnimmt.
Was das mit Faust zu tun hat? Jelinek überschreibt hier die Gretchentragödie, übermalt sie mit Sätzen wie der Maler Arnulf Rainer seine kostbaren Vorlagen, mit dichten, wüsten, schwarzen Strichen, bis kaum noch etwas vom Original zu sehen ist. Das fromme, gefallene Mädchen Margarete, die ihr Kind umgebracht hat, die von einem unserer klügsten Deutschen ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die neuen Stücke, Seite 157
von Roland Koberg
Immer wieder wird an einen Intendanten, so jedenfalls meine Erfahrung, der Wunsch herangetragen, etwas zu produzieren, wo man «so richtig doof ablachen» kann. Man fragt sich: Wo kommt dieser Wunsch her? Die Menschen, die es sich wünschen, über etwas «richtig doof abzulachen», könnten sich diesen Wunsch ja leicht erfüllen, indem sie in den Spiegel gucken....
... ist fürs Schauspiel Köln und seine Intendantin Karin Beier die diesjährige Kritikerumfrage: Wie im letzten Jahr wird die Domstadt- bühne Theater des Jahres (7 Stimmen), und wie im letzten Jahr hat Karin Beier die Inszenierung des Jahres gemacht; 10 von 44 Kritikern jedenfalls fanden, dass Elfriede Jelineks Natur-versus-Mensch-Trilogie «Das Werk/Im Bus/Ein...
Nur der Deutsche kann den Wutbürger erfinden. Im Deutschunterricht nannte man so etwas ein Oxymoron: ein Wort aus zwei gegensätzlichen Begriffen. Aber der Deutsche kann eben nicht einfach wütend sein, ohne dabei Bürger zu bleiben. Wäre er, der deutsche Bürger, nur wütend und sonst nichts, drohte ein noch viel größeres Problem als das seiner Wut, nämlich der Verlust...
