Selbstverständlich neu

«Radikal jung», das Festival des Münchner Volkstheaters, sucht seit 2005 progammatisch nach jungen Regisseuren. In den letzten Jahren mag die Auswahl gelungener gewesen sein, in diesem Jahr war sie spannender

Theater heute - Logo

Antigone hat ein Problem. Das hat sie seit mehr als 2400 Jahren, als Sophokles ihre Geschichte aufschrieb. Aber jetzt ist die Lage wirklich prekär. Ihr Bruder verübte einen Selbstmordanschlag auf das Haus, in dem sie mit Haimon und ihrem Schwiegervater Kreon wohnt; dieser mutiert vom demokratischen Präsidenten zum angstzerfressenen Diktator, sie von einer gemäßigten Muslima zu einer radikalen. Doch ganz abgese­hen von der Frage, wie man einen Attentäter beerdigen will, der sich gerade mit ein paar hundert Kilo Sprengstoff pulverisiert hat, ist Antigones Dilemma ein theatrales.

Sie verschwindet, nachdem alle Details des Anschlags offenbar werden, als Figur und taucht als Projektionsfläche wieder auf. Antigone im Video- und Mediengewitter, Antigone als mögliche RAF-Ikone, Antigone als Freiheitskämpferin, Antigone rettet Europa vor dessen Ignoranz.

Als Anfang der neunziger Jahre die ersten sogenannten postdramatischen Stücke auftauchten und das Theater als ästhetische Anstalt darauf reagieren musste, steckte Yael Ronen, die Regisseurin dieser «Antigone», gerade in der Pubertät. Inzwischen haben die Stadttheater die einst in der Freien Szene entstandenen performativen Ausdrucksformen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2008
Rubrik: Marktplatz Junge Regie, Seite 20
von Egbert Tholl

Vergriffen
Weitere Beiträge
Schneider, Monroe, Deneuve

«Sie war nicht der Kumpel­typ», bestätigt auch Jaecki Schwarz, Gröllmanns Partner in diversen DEFA- und Nachwende-TV-Produktionen, bevor sein Kollege Hermann Beyer das Sujet in abstraktere Gefilde hebt: «Richtung Romy Schneider, würd’ ich denken.» Es ist dann an Michael Gwisdek, das Spektrum noch ein wenig zu erweitern: «Monroe, Deneuve – das war Jenny in der DDR.»...

Gegenkritik: Laurent Chétouane

Vor ziemlich genau zwei Jahren, nachdem sie eine «Lenz»-Aufführung in Berlin gesehen hatten, fragten mich die Chefdramaturgin und der Generalintendant des Weimarer Nationaltheaters begeistert («Was für eine starke Form!»), ob ich nicht Lust hätte, «Faust» in Weimar zu inszenieren. Den ganzen. Gott sei Dank habe ich mich nur um den zweiten Teil gekümmert, sonst...

Heimatkunde am Rhein

Nicht nur der Titel klingt ein bisschen nach Love Story: «Kölner Affäre». Zumindest handelt es sich, wenn nicht gar um eine Liebesgeschichte, so doch um eine Beziehung. Eine ungewöhnliche Beziehung. Schon nach der kaum vollendeten ersten Spielzeit lässt sich zwischen Karin Beier, dem Schauspielhaus, der Stadt Köln und ihren Einwohnern eine solche Bindung...