Schnapsdrossel und Turteltauben

Herbert Achternbusch «Susn», Fallada «Kleiner Mann – was nun?»

Theater heute - Logo

Diese Münchner Kammerspiele, wie sie sich in den beiden letzten Produktionen der Spielzeit zeigen, wird Intendant Frank Baumbauer mit Sicherheit nur sehr schweren Herzens verlassen. Mit Luk Percevals Adaption des Fallada-Romans «Kleiner Mann – was nun?» und Herbert Achternbuschs «Susn» (Regie: Thomas Ostermeier) hat das Theater seinem scheidenden Chef zwei wunderbare Geschenke zum Abschied gemacht: Vor allem erschweren ihm hier mit außergewöhnlichen Leistungen diejenigen den Abgang, die Baumbauer in seiner gesamten Münchner Zeit stets am wichtigsten waren – die Schauspieler.



Wer also verlässt schon leichten Herzens ein Ensemble, zu dem zum Beispiel eine Brigitte Hobmeier gehört, die in München als erschreckend an Leib und Seele deformierte Frau triumphiert, als eine so präsente «Susn», die durch ihr lausiges Leben vagabundiert wie eine von Gott Verstoßene, von allen halbwegs guten Geistern Verlassene, von den Menschen Angeekelte? Durch die vier Endstationen ihres Lebens flüstert, bebt, rebelliert, stolpert diese Frau: Hobmeier wandelt sich atemberaubend vom bigott-rotzigen Kindchen zur lächerlich brabbelnden, abgetakelten Schnapsdrossel.

Dieses Älter-und-immer-dürftiger-werden vor ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2009
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Bernd Noack

Vergriffen
Weitere Beiträge
Äpfel, Birnen und ein Preis

Leistungsschau» wird das Körber Studio Junge Regie gerne genannt. Zwar sind während des von der Universität Hamburg, der Körber Stiftung und dem Thalia Theater veranstalteten Festivals Austausch und Vernetzung zentrale Elemente, doch steht über allem der Wettbewerb, zu dem die staatlichen Regie-Hochschulen je eine Produktion schicken können. Der Gewinner darf an...

An der Quelle

Die Quellenlage ist beim Mythos immer ein Problem. Zum Beispiel im Fall des Kreter­königs Idomeneus: Wie war es denn nun, kurz nach dem Fall Trojas in stürmischer Nacht nicht weit der Heimat, als von den 80 Schiffen des Königs 79 ins Seemannsgrab fuhren und Idomeneus selbst dem Wellen- und Donnergott Poseidon das Versprechen gegeben haben soll, als Preis für seine...

Nette Nachbarn

Man könnte die Geschichte ganz einfach so erzählen: Zwei treffen sich auf einer Party und verlieben sich – oder was jeder so dafür hält –, und ein paar Monate später läuft die Sache aus dem Ruder. Am Ende hat sich Grete fast umgebracht, und Heinrich hat es nicht mal mitbekommen.

Aber warum soll man es sich immer einfach machen? Was Ewald Palmetshofer in «faust hat...