Die drei Fragezeichen

Ratlosigkeit revisited: Meike Haucks «Mad in America» wurde in Mainz uraufgeführt

Theater heute - Logo

Warum geht zur Zeit alles den Bach runter? Statt sich lange am Kopf zu kratzen, sollten die Analysten vielleicht einfach mal Jonathan zuhören. «Da wo ich lebe, ist die Auswahl so groß, dass das Wollen nur noch eine Fiktion ist, an der man sich entlang hangelt», jammert er in Meike Haucks Stück «Mad in America». Und dass das Land mittlerweile so liberal ist, «dass man ja immer gegen offene Türen rennt oder schon gar nicht mehr das Bedürfnis hat zu rennen. Weil anscheinend ja alle Türen offen sind.

» Wer wundert sich da noch über Konsumverweigerung und Reformstau?

Mit dieser Lethargie-Apologie rennt Meike Hauck beim Typus der von ihr beschrieben 20- bis-30-Jährigen wohl auch offene Türen ein. Wobei sie die «Wir kommen, um uns zu beschweren»-Haltung so penetrant zeichnet, dass man sie glatt verdächtigen könnte, ein paar morgens um drei in der WG-Küche geführte Diskussionen zum Generations-Essay zu verpacken. Dem steht entgegen, dass manche Passage gerade um jenen feinen Hauch zu selbstmitleidig gestaltet ist, der diesem Spiegel satirischen Schliff gibt. Wie das Bewusstsein um die komplexen globalen Zusammenhänge jegliches Handeln erschwert, das ist jedenfalls so sehr Thema des Stücks, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2005
Rubrik: Neue Stücke, Seite 48
von Andreas Jüttner

Vergriffen
Weitere Beiträge
Leonhard Frank und Von drei Millionen drei

«Von drei Millionen drei» heißt der 1932 erschienene Roman von Leonhard Frank, den Fritz Katers «3 von 5 Millionen» fortschreibt. Er erzählt, wie drei Arbeitslose – ein Schreiber, ein Schneider und ein Fabrikarbeiter – ihre Heimatstadt verlassen, nach Hamburg wandern, auszuwandern beschließen, in Buenos Aires Arbeit finden, bis sie auch dort die...

Gesetzliche Erinnerungslücke

Franz Wille Die Künstlersozialkasse (KSK) bedroht nach den neuesten Entscheidungen akut die Existenz eines großen Teils der Theaterverlage, die junge, lebende Autoren vertreten. Um das zu verstehen, muss man allerdings wissen, wovon Theaterverlage leben und wie die KSK funktioniert. 

Marion Victor Wir verlegen als Theaterverlag Theaterstücke, also keine Prosa,...

Cowboys letzter Geburtstag

Dieser Brick kann einem schon Leid tun. Gestern erst hat sich der Sportreporter den Knöchel gebrochen, heute muss er zum Geburtstag des Vaters antreten, zu dem die ganze Familie samt Pfarrer und Doktor geladen ist. Da stürzt, kurz vor Torte, Sekt und Ständchen, Gattin Maggie ins Gästezimmer. Weil sie sich auf einen Schokokeks gesetzt hat und das kleine Rosafarbene...