Christine Wahl: Immer diese Kuragins
Mindestens einen Rekord hat Matthias Hartmann mit seinem russischen Mammut-Unterfangen zweifelsfrei gebrochen: Die Tolstoi-Roman-Adaption «Krieg und Frieden» dürfte als Preview-reichste Produktion in die Theater-Annalen eingehen.
Seit April 2010 hatten nicht nur jede Menge Wiener und St.
Petersburgerinnen, sondern – wie «Spiegel online» letzten November berichtete – auch Besucher des privat finanzierten Hamburger Theaterfestivals «in gelben Breitcordhosen, ihre Escada-Frauen hinter sich herziehend», zu normalen Theaterpreisen ausreichend Gelegenheit bekommen, öffentlichen Proben des Fünfeinhalbstünders beizuwohnen und dem Regisseur hinterher dankbar zuzunicken.
Der aber sei, so «Spiegel online» weiter, allem Lob zum Trotz tief in sich gegangen, habe immer wieder über «die Unfertigkeit des Abends» sinniert und schließlich – ein Rotweinglas in der Hand – gestanden, er wolle «alles noch einmal ändern» und «müsse jetzt erst mal richtig proben».
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Als es drei Wochen nach diesem hanseatischen Testlauf in Wien dennoch zu einer offiziell als Premiere deklarierten Aufführung kommt, steht der Burgtheaterdirektor höchstselbst – und durchaus selbstbewusst – im ...
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Theater heute Februar 2012
Rubrik: AUFFÜHRUNGEN, Seite 10
von Christine Wahl
Paulus Manker, Schauspieler und Theatermacher vor allem in Wien, ist seit dem umfassenden, mit Bildmaterial und Dokumenten reichlich ausgestatteten sowie kompetent kommentierten Theaterbuch über seinen Vater Gustav Manker auch ein passionierter Theaterhistoriker. Ihn treibt die Frage, ob Theaterleute, die 1933 nicht gezwungen waren, ins Exil zu gehen, nur...
Du bist gestorben, aber als Energie bist du da, als geistige Kraft, und die Erinnerungen an dich sind in meinem Kopf gespeichert, Bilder, dein Lachen, deine Neugier, deine Direktheit, aber auch deine ablehnende Scheu, wenn Grenzen, die du gesetzt hattest, verletzt wurden; dein Interesse, das du für mich hattest, die Wahltochter, wie du mich bisweilen nanntest; vor...
Früher war mehr Lametta und sowieso alles besser. Auf solch seelenstreichelndes Geseufze mag sich zurückziehen, wer in der Gegenwart keinen Halt mehr findet und mit der Zukunft schon abgerechnet hat. Doch die Zeit bleibt nicht stehen – und auf einmal sind uns die in die Jahre gekommenen Rückwärtsgewandten verwandter, als wir wahrhaben wollen: Sie faseln längst...
