Grenzen überschreiten
Naz muss sich von Indien nach London durchschlagen und findet als moderner Sindbad Trost und wohl auch Ermutigung bei dessen Geschichten. Er ist «Der Junge mit dem Koffer», in Mike Kennys Stück ein Entwurzelter schon in jungen Jahren. Die Produktion des Schnawwl Mannheim ist nicht nur Beleg dafür, dass sich auch im Kindertheater der Blick in die Welt weiten kann, sie ist auch eine Koproduktion und Resultat schon länger währender, manchmal nicht unkomplizierter Zusammenarbeit mit dem Ranga Shankara Theater in Bangalore.
Koproduktion meint hier, dass tatsächlich etwas zusammen gemacht wurde, was auf der Bühne sogar noch sichtbar bleibt, wenn der englisch sprechende Naz des jungen Schauspielers B.V. Shrunga durch den Mannheimer David Benito Garcia gedoppelt und erläutert wird, wenn die indische Musik sich in das balladenhafte Erzähltheater einbringt und Andrea Gronemeyers Regie das Ganze noch so balanciert, dass es so leicht wie eben erst ausgedacht wirkt.
Auch «Weiße Magie» von Gintersdorfer/Klaßen (vom MOKS Theater Bremen) ist eine zweisprachige Aufführung, in der der ivorische Darsteller Gotta Depri schwarze und weiße Magie vergleicht, also den afrikanischer Zauber ...
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Theater heute Juli 2013
Rubrik: Magazin: Jugendtheaterfestival, Seite 69
von Thomas Irmer
Da sind wir definitiv schon leidenschaftsärmer begrüßt worden in den mehr oder weniger heiligen Theaterhallen: «Das Publikum, das Publikum, das Publikum», schnarrt ein whitegefaceter Empfangschef mit dunklem Anzug und ebensolchem Oberlippenbärtchen in Endlosschleife den Menschen entgegen, die sich von der Kastanienallee aus in den Prater drängeln. Handelt es sich...
Ich erinnere mich: 1995, im Sommer, nach zwölfjähriger Abwesenheit, war ich heimgekehrt in meine Stadt, die nun wieder eine ganze war, und eben verhüllten Christo und Jeanne-Claude den Reichstag. Ja, wirklich! Ausgezogen aus der Stadt zum ersten Mal war ich im Totalen Krieg. 1943 nach Franken, wo es Nazis gab wie Sand am Meer. Als Einzelkind. Meine Mutter hatte es...
Was war
Obwohl er ein wunderbarer Erzähler sein konnte, machte Henning Rischbieter, wenn es darauf ankam, nur wenige Worte. Als ich von irgendjemandem zufällig um Mitternacht herum in der Stuttgarter Schauspielkantine, am 1. September 1976 nach Claus Peymanns Uraufführung von Thomas Bernhards «Minetti», dem graubärtigen Herrn vom Olymp der Theaterkritik (der damals...
