Sex, Cars und brave Bürger

Ob in Rennställen oder bei Banküberfällen, im Nachwende-Leipzig oder in Bobo-Haushalten von Frankfurt bis Berlin-Steglitz: Das deutsche Kino huldigte auf der Berlinale den Räuschen der Jungen

Theater heute - Logo

Junge Menschen, die sich von Alkohol oder Adrenalin oder Sex berauscht aus dem fahrenden Auto lehnen, so weit, dass sogar der Hintern über die Türe rutscht: Das war das Lieblingsbild des deutschen Kinos auf der diesjährigen Berlinale.

Mit seinen ikonischen Dimensionen – Geschwindigkeit, Spaß, Freiheit, Kontrollverlust, Gefahr, Unvernunft, kurz: maximaler Lebendigkeit – tauchte es auf in den beiden Wettbewerbsfilmen «Als wir träumten» von Andreas Dresen und in Sebastian Schippers «Victoria», aber auch in der Theaterverfilmung «Dora oder Die sexuellen Neurosen unse­rer Eltern» der Schweizer Regisseurin Stina Werenfels. Bei Dresen waren es besoffene Leipziger Jugendliche in den Wochen Null nach der Wende, bei Schipper aufgeputschte junge Bankräuber nach ihrem ersten großen Ding. Und bei Werenfels die geistig behinderte Dora, die mit ihrem Lover eine Spritztour unternimmt. 

 

Angststörung aus dem Bilderbuch

 

Natürlich repräsentieren drei Filme nicht das (deutsch)sprachige Kino, noch nicht einmal die Auswahl sämtlicher deutscher Produktionen auf dem Festival tut es. Trotzdem schien die wiederholte hymnische Feier der autofahrenden Jugend symptomatisch als Reaktion auf eine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2015
Rubrik: Berlinale, Seite 26
von Eva Behrendt

Weitere Beiträge
Dortmund: Spätantike Dramenblüte

Agamemnons Tochter Elektra hält sich fit: Mit einer ausdauernden, wenn auch etwas ungelenken Körpergymnastik im coo­len schulterfreien Top trifft Caroline Hankes Vaterrächerin auf ihre overdresste Mutter Klytaimnestra (Friederike Tiefenbacher im roten Futteralkleid unterm Pelzmantel). Allerdings werfen sich die beiden Gesell­schaftsdamen neben altem Familientratsch...

Frankfurt: Oberflächenkulte

«Zwei Uhr nachts» geht der Karriere-Streber X «noch einmal die Listen für den nächsten Tag durch». Sein Kollege Y «kloppt» unterdessen seinen «Hass auf die Welt in die Kommentarspalten von Süddeutsche, Spiegel online und Tagesschau.de». Und der aus dem Schlaf hochschreckenden Business-Frau Z dämmert plötzlich, dass es so «einfach nicht mehr weiter» geht. 

Mit...

Wenn die Konfettiurne explodiert

Oh ja, es gibt Déjà-vu-Momente an diesem Abend. Er fängt gleich mit einem solchen an, wenn sich Jan-Peter Kampwirth als tollpatschiger Spross der absteigenden Entertainer-Dynastie von Archie Rice beim Mikrofoncheck vor dem Samtvorhang hoffnungslos in ein Kabel verheddert, umständlich die Höhe verstellt, natürlich ohrenbetäubend das Mikro fallen lässt und doch...