Der reisende Theaterabend
Leinen los und heiß die Segel; fahr mit uns / Wir werden nicht bestehen, die Welt wird untergehen.» So extemporiert Blumfeld-Mastermind Jochen Distelmeyer nachmittags beim Soundcheck auf der Festivalkonzertbühne im Innenhof des Schauspiels Hannover. Keine zweihundert Meter entfernt auf dem Opernplatz scheint es, als habe seine Vision bereits einen Ankerplatz gefunden. Dort ist das «Ship o’ Fools» des kanadischen Künstlerduos Janet Cardiff und George Bures Miller aufgebockt. In seinem dunklen Schiffsbauch quietscht und scheppert es.
Man steigt hinab in ein surreales Automatenreich, wo eine Geige mechanisch fiedelt und Töpfe poltern; Schaukästen in der Schiffswand präsentieren dazu Miniaturen von einsamen Menschen in leeren Zimmern. Stumme Zeugen der Jetztzeit. So schippert das verlassene Narrenschiff, anders als sein Vorläufer in Sebastian Brants gleichnamigen Satiren (1494), nicht zur moralischen Unterweisung, sondern mit apokalyptischer Ahndung. «Wir werden nicht bestehen» – die kommende Arche reist ohne Mannschaft, bestückt mit närrisch ratternden Maschinen.
Kontinuitäten
Die Theaterformen sind ein Festival der kurzen Wege, seit sie nicht mehr parallel, sondern im jährlichen ...
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Theater heute August/September 2011
Rubrik: Festivals, Seite 28
von Christian Rakow
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