Schwarze Messe des realen Irsinns

Was fehlt? - Feridun Zaimoglu und Günther Senkel «Schwarze Jungfrauen», Regie Neco Celik, HAU 3 Berlin

Theater heute - Logo

Sie sind schick und gebildet, haben nichts gegen einen Fick und hassen die «Vollbandagierten», diese «Moraltanten» mit den «Mumientüchern». Kurz: Es sind junge Türkinnen in Deutschland mit «ausgesucht gutem» Deutsch, die offensichtlich Schluss gemacht haben mit dem dogmatischen Islam ihrer Vorfahren. Sie sind, so darf man meinen, angekommen im Westen. Bravo, ruft der Integrationsbeauftragte.

Doch dann haut es ihn um: «Ich seh’ zwar nicht orthodox aus, habe aber knallharte Ansichten: Es lebe der Gottesstaat! Der Dschihad! Es lebe der islamische Kampf in Irak und in Palästina!»

Was sich anhört wie der Text aus einem Bekennervideo von Al-Qaida-Terroristen sind Aussagen von eben jenen schicken unter uns lebenden «Neomusliminnen», die der türkischstämmige Schriftsteller Feridun Zaimoglu gemeinsam mit seinem deutschen Kollegen Günther Senkel in anonym geführten Interviews gewonnen und unter dem Titel «Schwarze Jungfrauen» zu einer Sammlung von Monologen verdichtet hat. Die Uraufführung im Berliner HAU 3 unter der Regie von Neco Celik war eine Sensation. Noch nie gab es hierzulande einen derart offenherzigen Blick in die unsäglichen Abgründe einer unheimlichen Emanzipation, die das Moderne ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2007
Rubrik: Theatertreffen, Seite 23
von Reinhard Wengierek

Vergriffen
Weitere Beiträge
Keine leichte Übung

Neustarts im städtischen Theater sind gemeinhin ein so kompromissreiches Unterfangen, dass man sich ruhig einmal ausmalen darf, wie ein gelungener Anfang aussieht. Etwa mit einer Grundsteinlegung auf der Bühne des Oldenburger Staatstheaters: Es ist einer der milden, trockenen Novemberabende 2006, mitten in der Arbeitswoche. Die 350 Plätze im Kleinen Haus sind...

Hula-Hoop bei Tel-Aviv

In der Videoarbeit «Barbed Hula» aus dem Jahr 2000 gelingt der israelischen Künstlerin Sigalit Landau, 1969 in Jerusalem geboren, ein eindringliches Bild: Die nackte Künstlerin steht auf einem weiten Sandstrand. Man hört das gleichmäßige Rauschen der Wellen, während ihr in Zeitlupe drehender Rumpf einen Reifen auf Hüfthöhe balanciert. Rauschendes Strandidyll und...

Groß und klein

Scharlatan oder Genie? Semantischer Faulpelz oder Meister des Nicht-Gesagten? Am norwegischen Mode-Autor Jon Fosse und seinen wortkargen Dramen scheiden sich die Kritiker. Für Regisseure aber bieten diese Leerstücke dank reduziertem Personal, limitierter Psychologie und beschränkter Alltagssprache viele Sinn-Löcher, in die sie ihre eigenen Ideen stopfen können....