Drama-Export zur Gegenwartsfindung
Fast klingt es wie Schlag, doch SCHAG besteht aus den russischen Anfangsbuchstaben von Schweiz, Avstrija und Germanija, zugleich das russische Wort für Schritt. Als 2011 der vierte SCHAG-Band in Moskau erschien, war das die größte Anthologie neuer deutschsprachiger Dramatik im Ausland: 36 Stücke auf rund 1.800 Seiten.
Zehn Jahre zuvor hatte der Leiter des Moskauer NET-Festivals Roman Dolshansky den ersten Band beim dortigen Goethe-Institut angeregt und in szenischen Lesungen das russische Publikum mit Moritz Rinkes «Der Mann, der noch keiner Frau Blöße entdeckte» und Roland Schimmelpfennigs «Arabischer Nacht» bekannt gemacht. Es war die Zeit, die man rückblickend als Boom der neuen deutschen Dramatik bezeichnen kann, als man sich auch in Ländern dafür wieder zu interessieren begann, in denen die Kenntnis des deutschen Repertoires irgendwann nach den Handkes und Kroetzens der siebziger Jahre versiegt und vom deutschen Theater vor allem die Regisseure bekannt waren. Nun aber wurde die neueste deutsche Dramatik vor allem im Osten Europas als spannender Anschluss an die britischen «In Yer Face»-Stücke angesehen, die mit drastischer Direktheit von den sozialen Verwerfungen im Inselreich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2013
Rubrik: Ausland, Seite 50
von Thomas Irmer
«Was im nächsten Moment sein könnte, will man ja nicht wirklich wissen, außer vielleicht es handelt sich um die Lottozahlen.» Das weiß auch Philipp Löhle, dessen neues Stück «Nullen und Einsen» er selbst dann noch mit komischen Geschichten spickt, wenn er sich so einem herben Thema wie der stochastischen Unwägbarkeit des Künftigen widmet.
«Nullen und Einsen» ist...
Das hat schon was: Wie sich der Kameramann mit einer weichen Pirouette vom Bett wegdreht und mit ein paar fliegenden Schritten in den Nebenraum eilt, um dort gerade rechtzeitig – Schnitt – die Heldin ins nächste präzis ausgeleuchtete Close-up zu setzen. Diese Tänzchen der Technik gehören auch zum Genuss eines Katie-Mitchell-Abends; diese kleinen, unwillkürlichen...
«Jetzt sind wir endlich in einer Geschichte», freut sich Leila. «Ich bin da.» Aber Leila täuscht sich, die Geschichte läuft schon längst: Möchtegern-Zuhälter Lee hat seinen Stiefvater (Andreas Krämer) erstochen, ist geflohen und hat das stille Mädchen auf seine Flucht mitgenommen, weil es nicht schnell genug Nein gesagt hat. Jetzt sitzen sie am Fluss, schauen...
