Gegen rechts ist immer richtig
Auch im lauschigen Elbtal ist der junge Herr Woyzeck nicht zu beneiden: Nachdem er den Kinderwagen – ein sicher nicht ganz billiges Modell in Camouflage-Optik – aus seinen überschaubaren Gelegenheitseinkünften bereits eigenständig finanziert hat, muss er ihn jetzt auch noch allein durch die Dresdner Innenstadt schieben.
Und das ist wahrlich kein Spaß, führt der Weg doch entlang an einem erschlagenden Frauenkirchen-Konterfei vor Schäfchenwolken, Abteilung «Naive Malerei», an Kleingärten mit sorgfältig verschnittenen Obstbäumen, einem keimfrei eingekachelten Elbersatz-Rinnsal und weiteren Kleinbürger-Insignien, die in ihrer Gesamtheit selbst ein prächtiges Deko-Element für Spießerschrankwände ergeben: Bühnenbildnerin Cary Gayler hat die Heiligtümer der Gartenzwergfraktion so angeordnet, dass das Szenario wie eine jener Souvenirbuden-Halbkugeln aussieht, in denen es schneit, wenn man sie ordnungsgemäß schüttelt.
«Ich bin der Holger»
Was Wunder, dass man in diesem Ambiente auf Schritt und Tritt fidelen Senioren mit schlecht sitzenden Badehosen oder Michael-Ballack-Shirts begegnet, die im Takt zu Recht vergessener Ostschlager unisono ihre Nordic-Walking-Stöcke schwingen. Und ...
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MAN KANN EINEM MENSCHEN NICHT VON MORGENS BIS ABENDS SAGEN WIE ENTTÄUSCHT MAN VON IHM IST DAS HÄLT KEINER AUS.» Das gilt für Menschen wie für ganze Landstriche, den östlichen Teil Deutschlands zumal. Wo dauernd von Scheitern die Rede ist, wird das Ringen um Würde und Selbstbehauptung zur Existenzfrage. Fritz Kater, seit geraumer Zeit der erste Chronist des...
Seinen «Parsifal» hat er ihn genannt: Thomas Manns Verhältnis zu seinem Roman «Doktor Faustus» war schon während des Schreibens hochemotional. Ein Erlösungswerk sollte es für den Künstler und dessen Leser sein, die Summe eines Lebenswerks, vielleicht gar ein letztes Wort, überpersönlich und zugleich sehr privat, ja intim. Die imaginierte Lebensgeschichte des...
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