Labor der Vielfalt
Der Zustand der Theater ist Ausdruck der Gesellschaft, von der sie unterhalten werden. Ästhetisch. Strukturell. Organisatorisch. Wie sollte es auch anders ein. Das ist weder gut noch schlecht, das ist einfach so, wie es ist. Das Personal, die ästhetischen wie politischen Programme bilden ab, wie es um die Macht- und Verteilungsverhältnisse in Deutschland, in Europa, in der Welt bestellt ist. Ich kann das Theater nicht ohne seine Einbettung in meine gesellschaftliche Realität denken.
Das ist eigentlich eine Binsenweisheit, aber ich habe das Gefühl, man kann sie gar nicht oft genug aussprechen.
Das heißt, wenn ich über das ideale Theater nachdenke, dann denke ich über dieses komplizierte Wechselverhältnis von Theater und Gesellschaft nach. Das Geld, die Bereitstellung der Mittel, die Realität der Ökonomie ist zugleich Ausdruck und Motor gesellschaftlicher Macht- und Mentalitätsverhältnisse. Herrliche Dialektik. Das heißt: Die Frage, wie das ideale Theater aussehen soll, ist die Frage nach meiner gesellschaftlichen Utopie. Wow. Diese Frage hängt da wie ein Banner aus einer vergangenen Zeit weit oben an einem verrosteten Fahnenmast. Manchmal bläst der Wind rein, aber die Fahne weht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Reale Utopien, Seite 36
von Björn Bicker
Wie der selbstgeblendete König ein Mörder war und es nicht wusste, so sind wir, selbstgeblendet, unsere eigenen Mörder, unsere Schuld wird auf dem Bildschirm eingeblendet, sie ist hoch, sie ist zu hoch, wir waren geblendet, geblendet von uns selbst», schrieb Elfriede Jelinek in ihrem am Theater Bremen uraufgeführten Stück «Aber sicher!» über unseren Umgang mit...
Wenn ein Mann von der Statur des Schauspielers Peter Kurth sich das offene Jeanshemd unter der Brust zusammenknotet, kann das eigentlich nur zweierlei bedeuten. Entweder zeugt diese Maßnahme, die seinen imposanten Bauch effektvoll in Szene setzt, von penetrantem Selbstbewusstsein und virilem Zeigestolz: «Hier, seht her, alles meins!» Oder aber sie signalisiert:...
In letzter Zeit wird wieder verstärkt übers Theater gestritten, vor allem über seine Zukunft. Wie soll sie aussehen? Die Stadttheater bewahren? Eine zweite Säule aus Projektförderung daneben stellen? Mehr Produktionshäuser gründen? Und wie geht es überhaupt mit dem Ensemble- und Repertoirebetrieb weiter? Übernimmt der Apparat die Kunst? Das sind alles berechtigte...
