Nachrichten vom Seelensofa

Schnitzler «Das weite Land»

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Friedrich Hofreiter muss zu seiner Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts eine imposante Figur gewesen sein: Gründerzeit-Industrieller mit Millionenvermögen und einer Villa in Baden bei Wien, wo die Gattin Genia residiert, die er regelmäßig mit gelangweilten Ehefrauen der besseren Gesellschaft betrügt; der Sohn geht in England aufs Internat. Außerdem spielt er ehrgeizig gutes Tennis und fährt sogar ein Automobil! Gar nicht unspannend, wie aus Herrn Hofreiter bei Schnitzler dann langsam die Luft entweicht.

Nachdem Alvis Hermanis «Das weite Land» in Wien in einen Schwarze-Serie-Krimi verwandelte hatte (s. TH 11/11) und Martin Kusej in München in ein erhabenes Trauerweiden-Parlando (TH 1/12), nähert sich Jette Steckel dem Stück mit einer regiekünstlerischen Zangenbewegung. Zunächst wird das Personal auf zeitgenössischen Mittelstand zurechtgestutzt und dann äußerlich auf einer brachialen Neurotiker-Schüttelstrecke um den Rest von innerem Halt gebracht.

Am heftigsten werden Hofreiter und seine aktuelle Geliebte Erna der Jämmer- und Lächer­lichkeit überstellt. Der souveräne Libertin bebt schon in der ersten Szene vor Eifersucht, wenn der kleinste Untreueverdacht auf seine Frau fällt, um ihr im ...

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Theater heute Februar 2015
Rubrik: Chronik Berlin, Seite 48
von Franz Wille

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