Die Lust an der Beinfreiheit
Trotz Zeitenwende, Klimawandel und Fahrplanwechsel, manche Dinge ändern sich nicht. Das ist in Mainz besonders wahr. Beim Landtag wählt man rot, beim Wein weiß und beim Fußball wird kombiniert. Auch im Theater schätzt man Kontinuität und hätte den Schweizer Georges Delnon wohl gern als Intendanten auf Lebenszeit verpflichtet. Der aber ist dem Ruf in die Heimat gefolgt und amtiert nun 300 Kilometer südlicher in Basel.
Nach kurzer Trauerphase und einer aufwändigen Abschiedspublikation ist man am Staatstheater Mainz unter neuer Führung zum Tagesgeschäft übergegangen.
Das Große Haus thront weiter freundlich mit seinem rotsandigen Rundbau und dem modernen Glaszylinder auf dem Gutenbergplatz. Die Stadtmitte teilt es sich mit dem Dom, der als Duzfreund gleich gegenüber liegt, während die Repräsentationsgebäude der weltlichen Macht – Landtag, Rathaus, Schloss – am Rande der Innenstadt ihr Dasein fristen. Selbst Kinos haben in der Mainzer Bannmeile um Theater und Dom keine Chance. Das Zentrum gehört der Kirche und der Bühnenkunst. Dazwischen passt höchstens noch der Karneval.
In dieser Hinsicht kann es jedenfalls nicht schaden, als neuen Steuermann der Hochkultur den gebürtigen Krefelder ...
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