Herbstsonate
«Wir brauchen neue Formen!», fordert der Dramatiker-Rebell Kostja, bevor er die Debütantin Nina auf die improvisierte Seebühne schickt, um sie seinen sperrig verstiegenen Monolog sprechen zu lassen. Das Düsseldorfer Schauspielhaus ist gezwungen, nach neuen Formen zu suchen, die sich zunächst auf räumliche Verhältnisse beziehen. Das Große Haus am Gründgens-Platz wird saniert; in der Zwischenzeit wandert man dorthin, wo ohnehin Mobilität Usus ist: in Hauptbahnhofsnähe.
In der alten Paketpost zwischen Gleisanlagen und Bus-Terminal wurden schon Probebühne und Studiospielstätte eingerichtet. Jetzt lässt sich im «Central» auch groß Theater spielen. Zum Auftakt: Tschechows «Möwe». «Ohne Theater geht es nicht», sagt Sorin, Bruder der Arkadina, die zur Sommerfrische heimkehrt aufs Land.
Ein blauer Vorhang trennt Zuschauerpodium und Bühnenbereich: Öffnet er sich, wird eine von Lichtschneisen schraffierte leere Spielfläche sichtbar, die zusammen mit der Tribüne das Rechteck des mächtig schwarzen Raumkartons bildet. Die Aufführung strapaziert die Theatermetapher. Ständig wird der Vorhang auf der Drehbühne auf- oder zugezogen; im letzten Akt ist er dann beiseite gelegt und zusammengerollt. ...
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Eine Wand aus Mänteln. Portalbreit und bis in den Bühnenhimmel hoch drängen dicht an dicht, Reihe über Reihe, die alten Überzieher in Grau und grauer; es müssen weit über 1000 sein. Manchmal sind auch ein paar hellere Teile darunter, Aufschläge vergangener Epochen bringen etwas Abwechslung in die monumentale Garderobe. Wenn im fahlen Licht der ganze Apparat...
Fernsehen
Montag, 1.
10.50, Theaterkanal: Kabel und Liebe – Film (1997) von Rasi Levinas, mit Anne-Marie
Bubke, Moritz Bleibtreu, Wolfgang Maria Bauer u.a., Regie Konrad Sabrautzky
19.00, Theaterkanal: Theaterlandschaften: Theater Chemnitz – vorgestellt von Esther Schweins. Film von Jobst Knigge
Dienstag, 2.
20.15, arte: Der Stellvertreter – Spielfilm (2002) nach...
Graugriesige Gruben, ausgekohlter Kiefernwald und Steppe ringsumher. Tschechows Familie Prosorow lebt «am Fluss», hier schwärmt Werschinin (Alexander Wulke) «vom See», heute die schönste Perle der Braunkohlen-Renaturierung. Doch auch hier atmet hundert Jahre nach Tschechows Tod noch immer Provinz: Taiga en miniature. Ausstatter Tobias Wartenberg braucht nur ein...
